Interview mit unseren drei Athleten von der Vertical Blue 2017

Verpasst nicht den SWR-Berich mit Tim!

Den Bericht über die Vertical Blue 2017 gibt es hier.

Anna von Boetticher
Hallo Anna,
Du hast den CNF-Nationalrekord zunächst auf -52m an Tag 1 und schließlich auf -55m an Tag 4 eingestellt. An Tag 2 hattest du einen recht seichten CWT-Tauchgang auf -65m, schließlich aber an Tag 7 einen BO nach dem Versuch auf -58 CNF zu gehen.

  1. Wie hat sich der Tauchgang auf -55 angefühlt, hattest du da den Eindruck noch genug Luft zu haben?
  2. Was war deiner Meinung nach der Grund für den BO an Tag 7? War das nur allgemeine Erschöpfung oder hättest du mehr Pooltraining machen müssen oder ganz was anderes?
  3. Welchen Zweck hatte der für deine Verhältnisse recht seichte CWT-Tauchgang?
  4. Man sieht in deinem Blog, dass du gerade Körperlich sehr gut in Form bist. Hast du mit der gewonnenen Fitness auch Vorteile beim Tauchen gespürt?

Annas Antwort
Zu meinem Wettkampf muß man wissen: ich war seit über acht Monaten nicht im Wasser. Kein Apnoe. Nicht im Pool, nicht tief, nicht trocken, gar keins. Dazu bin ich seit über 1,5 Jahren nicht tiefer als 70m getaucht. Das heißt, ich bin bei Vertical Blue total untrainiert angereist. Vor Ort hatte ich 2,5 Wochen Zeit mich auf den Wettkampf vorzubereiten. Davon braucht man gut eine Woche, um über den Jetlag hinweg zukommen und sich zu akklimatisieren. Ganz abgesehen vom langsamen „wieder reinkommen“ nach einer so langen Pause.

Das bedeutet für mich, ich muß auswählen und mich auf eine Disziplin konzentrieren. Da meine persönlichen Bestleistungen in CW und FIM mit 81m und 76m doch recht tief sind, möchte ich diese in so kurzer Zeit nicht versuchen zu erreichen. Die Anpassung an die Tiefe braucht nun mal Zeit, die kann man nicht erzwingen. Nach über 1,5 Jahren ohne richtig tiefes Tauchen wäre es nicht gut für meine Lunge in zwei Wochen auf diese Tiefen zu gehen, auch wenn ich vielleicht fit genug bin.

Also konzentriere ich mich bei VB auf CNF, das nicht so tief ist und für das man dort ausserdem gute Bedingungen hat.

  1. Der Tauchgang auf 55m war sehr stark, nach oben schwimmen gar kein Problem. Mein Problem ist der Weg nach unten. Da ich so extrem Apnoe-untrainiert bin habe ich starke Kontraktionen ab ca 15-20m auf dem Weg nach unten. Die nehmen mir den Mouthfill und machen mir Probleme mit dem Druckausgleich, so daß ich Mühe hatte trotz geringer Tiefe unten anzukommen.
  2. Der 58m war natürlich eine große Ansage. No fins ist kompliziert, ein Meter mehr macht einen großen Unterschied. In drei Tauchgängen acht Meter tiefer als sein Personal-Best zu tauchen, und das unter Wettkampfbedingungen, ist extrem viel. Trotzdem war es nach dem 55m Tauchgang klar, daß es für mich schaffbar ist. Das Problem war für mich eher wieder der Druckausgleich auf dem Weg nach unten. Einmal unten angekommen, war ich sicher zu schaffen und auch gar nicht gestresst. Allerdings habe ich mir mit dem ersten Armzug unten aus versehen die Nasenklammer abgestreift und ab da mit jeder Kontraktion etwas Wasser eingezogen. Das verursacht natürlich zusätzlich Streß. Dafür war bei diesem Tauchgang nun mal kein Platz, es mußte schon alles glatt laufen. So hatte ich einen Black-Out knapp unter der Oberfläche. Erst der zweite im Tiefenwettkampf in zehn Jahren – damit bin ich echt zufrieden. Ich bin auch mit dem 58m Tauchgang zufrieden – er war für mich ein Test über meinen derzeitigen Leistungsstand und ich weiß jetzt, daß diese Tiefe für mich in Roatan machbar ist.
  3. Da ich mich, wie schon gesagt, in diesem Wettkampf auf No-Fins konzentrieren wollte, war der 65m CWT Tauchgang einfach ein Trainingstauchgang um hier am Anfang der Saison den langsamen Tiefenaufbau zu starten. Dazu war er so leicht, daß er keine Ermüdung oder Streß verursacht, sozusagen „active rest“ für den noch anstehenden 55m Tauchgang ohne Flossen. Ein Lückenfüller, mehr nicht.
  4. Ich habe im Moment nun mal keine Gelegenheit, Apnoe zu trainieren. Was möglich war, war intensiv an meiner körperlichen Fitness zu arbeiten. Nur so war es möglich, trotz null Apnoetraining seit vielen Monaten innerhalb von kürzester Zeit Personal Bests im Wettkampf zu tauchen. Ohne die Zusätzliche Kraft und Fitness wäre das nicht machbar gewesen.

 

Timothy Oehmigen

Hallo Tim,

Nach deinem Nationalrekord auf -93m CWT an Tag 2 hattest du einige CNF-Tauchgänge. Zunächst -60m CNF an Tag 5, dann hast du am nächsten Tag um einen Meter verlängert. Schließlich hast du an Tag 8 und 9 versucht den Nationalrekord zu brechen, aber jeweils zu früh gedreht erst bei 59 dann bei 52m und sogar am Seil gezogen.

Hast du vorher schon gespürt, dass die Luft nicht bis nach Oben reichen würde? Deine Poolstrecke lag ja neulich bei 150m DNF. Ist das immer noch zu knapp für diese Tiefe ohne Flossen?

Tims Antwort

  • Ich habe bei -93m CWT gesqueezed (Anm.d.Red.: Barotrauma der Lunge) und konnte meinen Tauchgang am nächsten Tag nicht machen (wollte eigentlich 69m CNF tauchen)
  • Nach drei Tagen Pause und intensiven Diskussionen mit den Judges und Medics durfte ich an meinem 3ten Comp Tag testtauchen mit 60m FIM (nicht CNF) und anschließender Untersuchung (mit kleinstem Anzeichen wäre ich für den Wettkampf ausgeschieden).
  • Nach längerer Pause und zur Sicherheit wollte ich dieselbe Tiefe nochmals in No-Fin tauchen 61m CNF white card, einfach um wieder reinzukommen und zuversichtlich zu sein.
  • Im Training bin ich 66m No-Fin getaucht ohne Probleme. Ich hatte eigentlich vor, am zweiten Comp Tag gleich 69m CNF anzusagen, danach 72m und danach 75m, wenn alles rund gelaufen wäre. In No-Fins habe ich das größere Potenzial als in CWT oder FIM, aufgrund des Squeezes. Ich habe immernoch nicht das Problem gelöst, dass ich bei 85m+ Tauchgängen ein hohes Risiko habe zu squeezen.

Weshalb dann meine beiden anderen CNF Tauchgänge auf 67m nicht geklappt haben, kannst du hier lesen, habe mich bereits auf meinem Blog dazu geäußert.

Stefan Randig

Hallo Stefan,
Du hattest FIM in Angriff genommen. Erst mit dem Nationalrekord von -93m an Tag 2, dann wolltest du bei Tag 3 auf 96 verlängern, hast aber 7m vorher gedreht. Ähnliches wiederholte sich an Tag 4, 5, an Tag 7 schafftest du dann -94m FIM. An Tag 8 hast du dann schließlich beim Nationalrekordversuch CWT 12m zu früh gedreht.

1) Was waren die Gründe für die Abbrüche?

2) Weiß man bei solchen Tiefen, wo man sich ungefähr befindet und dass man nicht mehr weit zur Bottom-Plate hat?

Stefans Antwort

  1. Grund für die vielen Early Turns: Mein ursprünglicher Plan für VB war, alle drei Disziplinen zu tauchen. Die Vorbereitung dafür war nicht einfach zu planen, ich hatte einen Trainingsplan über fast 2 Monate, einen Monat hier auf den Philippinen und weitere drei Wochen auf den Bahamas.
    Das Training hier lief super und im Prinzip war ich nach den ersten vier Wochen hier fast in Top Form. Nun hatte ich noch weitere drei Wochen vor mir. Die ersten Sessions im Blue Hole liefen noch super und ich bin ziemlich tief eingestiegen (90m erste Session).

    Das war mein großer Fehler. Ich dachte ich könnte meine Form bis zum Wettkampf halten oder noch verbessern, aber es ging dann schnell bergab.
    Physisch war alles super aber mental wurde es nach ein paar Trainingsessions immer schwieriger. Ich war also richtig „übertrainiert“ und brauchte immer mehr Pausentage um überhaupt Motivation fürs Tauchen aufzubauen.
    Das hat mich viele Trainingstage gekostet und musste so meinen Plan alle drei Disziplinen zu tauchen streichen. Ich hoffte dann eben nur noch auf ein paar gute Tauchgänge in FIM über 90m. Während dem Wettkampf war das Feeling einfach nur noch „wann ist das hier endlich vorbei“.
    Am Ende hatte ich über den Zeitraum von 7 Wochen 24 Tauchgänge zwischen 85-96m in FIM und CWT und das war einfach zu viel.
    Was ich gelernt habe: Gutes Timing ist wichtig für Wettkampf. Selbst wenn man sehr motiviert ist, ist es wohl besser es langsam angehen zu lassen und sich so gut wie möglich Energie für die eigentlichen Wettkampftauchgänge zu sparen. Wenn ich noch mal VB mitmache, würde ich ca. 3 Wochen vorher anfangen zu trainieren und mehr Pausen einplanen.
  2. Ich wusste das ich bei den meisten Early Turns nicht mehr weit weg vom Plate war. Bei mir ist es aber so, wenn der Kopf im Vornherein nicht mit dabei ist, dann zwing ich mich nicht runter. Ich hatte in 11 Jahren Freitauchen noch nie ein Blackout und ich denke hauptsächlich, weil ich drehe, wenn ich merke, dass nicht alles 100% passt, besonders auf tieferen Tauchgängen. Ich komme lieber mit einem Early Turn hoch als auf Krampf die Plate zu erreichen.

Wir danken allen Athleten für die ausführlichen Antworten und gratulieren zu den tollen Leistungen!

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