Interview mit Jennifer Wendland – der neuen deutschen Rekordhalterin in CWT, FIM und CNF

Beitragsbild: Only One Apnea Center

Lange Zeit hätte man meinen können, dass es nur eine Deutsche gibt, die im Meer taucht. Seit 2007 vertiefte lange nur noch Anna von Boetticher ihre eigenen deutschen Rekorde im Meer. Bis sich dann irgendwann auch Jennifer Wendland meldete. Im September 2015 holte sie sich zunächst  den deutschen CNF-Rekord (46 m) im Meer, nachdem sie den Monat zuvor schon am Züricher See den deutschen Seerekord in CWT (55 m) bei einem Wettkampf erstritt.

Den Seerekord hält sie immer noch. Den CNF-Rekord im Meer holte sich Anna zurück und erweiterte auch diesen immer mehr in die Tiefe, bis sie sich dieses bei der Vertical Blue im Frühling abermals annahm und auf 55 m Tiefe setzte.

Doch zu der Zeit wussten nur wenige, dass Jennifer schon sehr hart an einer Trilogie feilt, deren Ziel es ist, die drei Rekorde im Meer in CWT (Tieftauchen mit Flossen), FIM (Ziehen am Seil in die Tiefe) und CNF (Tieftauchen ohne Flossen) für sich zu erarbeiten.

Für kurze Zeit sah es so aus, als könne es scheitern. Denn Ende Mai misslang ihr nach 56 m CNF der deutsche Rekord wegen eines Black-Outs bei den Russischen Meisterschaften. Aber so kennen wir Jennifer auch von Pool-Wettkämpfen, wo sie ebenfalls gerne an ihre Grenze geht, sich meistens aber doch noch eine weiße Karte holt. Sie hat Deutschland schon auf einigen Weltmeisterschaften vertreten und hat sich sehr ambitioniert gezeigt. So konnte man schon ahnen, dass sie aus den Fehlern lernen wird und bald den nächsten Versuch startet.

Die drei Rekorde holte sie sich innerhalb weniger Wochen und verlängerte alle drei um jeweils einen Meter (82 m CWT, 56 m CNF und 77 m FIM). Was noch in ihr steckt wollte sie nicht weiter verraten, denn die diesjährige Tiefen-WM in Roatan steht schon bald an, weswegen wir uns ganz besonders freuen Jennifer zusammen mit Anna und Grit Bünker-Wohlfarth (momentan dritte in der deutschen Rangliste für Tieftauchen) im Team begrüßen zu dürfen.

Wir danken ihr auch ganz herzlich, dass sie uns folgende Fragen beantworten konnte.


Verstehe ich das richtig, dass du schon länger in Dahab wohnst, um dich intensiv auf die WM in Roatan vorzubereiten?

Ich arbeite dieses Jahr in Teilzeit, um genug Zeit zu haben mich auf die WM vorzubereiten. Insgesamt werde ich drei Mal für einen Monat in Ägypten gewesen sein, mal in Sharm und mal in Dahab.

Wie sind dort die Lebenshaltungskosten? Also was kostet es einen Monat dort zu wohnen und zu trainieren?

Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt recht günstig, aber auch stark davon abhängig wieviel Luxus man sich gönnen will. Das, was ich zu Hause allein an Miete zahle, reicht hier für ein sehr angenehmes Leben mit vielen Restaurantbesuchen.

Trainierst du dort bei einer Taucherbasis oder mit jemanden privat?

Meine Trainingskosten übersteigen die Lebenshaltungskosten. Ich habe nur begrenzt Zeit und wollte daher beim Training keine Kompromisse eingehen. Ich trainiere beim OnlyOne Apnea Center, die sowohl in Dahab als auch in Sharm eine Basis haben. Einzeltraining beim Supercoach Marco Nones hat natürlich seinen Preis. Hat sich aber auch ausgezahlt.

Wie sieht deine tägliche Routine aus?

Neben dem morgendlichen Yoga und den Atemübungen gibt es keine Routine.

Wie sieht dein Trainingsprogramm aus?

Ich trainiere in abwechselnden Phasen technische Aspekte, wie Geschwindigkeit oder Rhythmus, und reine Tiefe.

Hast du dort Möglichkeiten auch im Pool zu trainieren und machst du das auch?

In Dahab habe ich zum Glück einen Pool, den ich auch fleißig nutze. Manchmal nur, um der Hitze zu entkommen. Aber auch zu Hause trainiere ich viel im Pool, denn in der Tiefe kann man nicht sinnvoll an der Schwimmtechnik arbeiten.

Du hast ende Mai bei den Russischen Meisterschaften versucht einen neuen Nationalrekord in CNF aufzustellen und hattest einen Black-Out. Woran hat es deiner Meinung nach gefehlt?

An dem Tag ist vor und während des Tauchgangs alles schief gelaufen, was man sich so vorstellen kann. Den Blackout habe ich erst an der Oberfläche bekommen, es war recht knapp.

Kannst du deinen CWT-Rekordtauchgang beschreiben? Wie hat es sich angefühlt? War da noch Luft für mehr?

Ich liebe das Tauchen mit der Monoflosse und habe mich riesig auf den Rekordversuch gefreut. Im Training hatten alle Testtauchgänge hervorragend geklappt, das hat mir das nötige Selbstbewusstsein gegeben. Mir war klar, dass mir höchstens der Druckausgleich einen Strich durch die Rechnung machen konnte, also habe ich mich darauf konzentriert. Als ich die Bottom Plate erreicht hatte, habe ich ein breites Grinsen aufgesetzt und den Rückweg zur Oberfläche genossen.

Was ist für dich momentan die größte Herausforderung bei deinen Leistungen? Wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Je mehr man lernt, desto mehr versteht man, was man noch nicht kann. Über den Winter werde ich sicherlich viel am Druckausgleich arbeiten. Außerdem fehlt mir Wettkampferfahrung, die kann man sich leider nicht durch Training holen.

Der CWT-Nationalrekord der Männer ist nur 11 Meter weiter, wann brichst du den? 🙂

Tim und Stefan sind so stark, dass der Rekord der Herren wohl bald dreistellig wird. Ich freue mich schon darauf, wenn es soweit ist, und drücke den beiden fest die Daumen! Für mich ist das dann doch etwas zu tief.

Anna war immer unter den ersten, die dir gratuliert haben. Steht ihr in ständigem Kontakt und tauscht euch aus?

Ich habe mich sehr gefreut, dass Anna mir gratuliert hat. Wir tauschen uns nicht regelmäßig aus, aber wir haben ein paar mal gechattet.

War es von Anfang an geplant alle drei Rekorde zu holen? Wie war dafür der Zeitplan? Wie sah die jeweilige Vorbereitung darauf aus? Waren die Tauchgänge Teil eines Wettkampfs?

Natürlich habe ich zu Beginn meines Trainings gehofft alle drei Rekorde holen zu können. Es war aber eine Herausforderung das Training für alle drei Disziplinen zeitlich aufeinander abzustimmen und besonders in der letzten Phase parallel zu trainieren. Nach meinem Blackout in CNF war das ursprüngliche Timing für die Rekorde nicht mehr machbar. Also haben wir uns entschieden alle drei Rekordversuche für meine letzten Tage in Ägypten zu organisieren.

Wie war es dieses mal mit dem CNF-Tauchgang? War es knapp? Hast du etwas verändert, was den Erfolg brachte?

Ich musste an meinem Tauchgang nichts ändern, denn die Gründe für meinen Blackout lagen nicht in meiner Art zu tauchen. Der Rekordtauchgang selbst war letztlich entspannter, als erwartet.

Du hältst auch den deutschen CWT-Rekord im See mit 55m. Denkst du, dass du diesen und die anderen jetzt locker überbieten könntest? Oder gibt es im See für dich größere Schwierigkeiten? Was sind deiner Meinung nach die entscheidenden Unterschiede zwischen See und Meer?

Das Training im warmen Ägypten bei guten Sichtweiten hat mich für das Tauchen im See wohl erstmal verdorben. Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf das Meer.

Du hast alle Rekorde um jeweils einen Meter überboten. Siehst du bei dir noch Potential für mehr?

Lass dich überraschen 😉

2 thoughts on “Interview mit Jennifer Wendland – der neuen deutschen Rekordhalterin in CWT, FIM und CNF”

  1. Danke für das Interview und Dir, Jenny, nochmals herzliche Gratulation und viel Glück für die WM! 😉

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