Polnische Meisterschaft: Gute Ergebnisse für das Deutsch-Spanisch-Österreichisch-Südafrikanische Team; neuer DNF-Weltrekord der Frauen

(Im Beitragsbild vlnr. Ralph Staudigl, Marius Nogueras, Willi Hoffmann, Florian Grauer)

Zum vierzehnten Mal fand nun die Polnische Meisterschaft in den Schwimmbaddisziplinen statt und auch dieses Jahr haben die Organisatoren ganze Arbeit geleistet. Der Wettkampf lief über 2 Tage vom Freitag den 30.6 bis Samstag den 1.7, wobei freitags die Disziplin Streckentauchen mit Flossen (DYN) und am Samstag Luftanhalten (STA) und Streckentauchen ohne Flossen (DNF) absolviert wurden. Dies ist ein guter Kompromiss. Denn man findet noch genug Athleten, die sich 2 Tage Zeit nehmen und die Athleten selbst können bessere Leistungen abrufen, da nicht alle Disziplinen an einem Tag absolviert werden. Außerdem startete der Wettkampf am Freitag Nachmittag, so dass man die Wahl hatte, ob man am Tag vorher anreist und mehr Ruhe hat oder am Vormittag und Geld spart.

Apropos Geld. Die Veranstalter konnten dieses Jahr mit Hilfe des Hauptsponsors BANDI Preisgelder organisieren, welche ausreichten um z.B. die Hotelkosten zu decken, falls man es mehrmals aufs Siegertreppchen schaffte.

Das Becken war etwas gewöhnungsbedürftig. Der Stahlboden war recht dunkel und unterschied sich nicht besonders von der schwarzen Leitlinie in der Mitte der Bahnen. Die von den Veranstaltern angebrachten Markierungen halfen nur wenig und so rauschte der ein oder andere bei Dynamik gegen die Wand.

Das Problem der Tiefe beim Start wurde aber sehr gut gelöst. Für die Athleten wurden Plattformen an den Beckenrand ins Wasser gehängt, die nach dem Start der jeweiligen Athleten bis zum nächsten Start herausgezogen wurden.

Drei Athleten aus Deutschland und einer aus Österreich

Die drei Vertreter von AIDA-Deutschland Florian Grauer, Marius Nogueras (beide TCB-Berlin), Willi Hoffmann und Ralph Staudigl von AIDA-Österreich mussten natürlich schon am Vortag anreisen, denn 6 bis 8 Stunden Fahrt und danach noch über 100 m DYN will sich wirklich niemand antun (außer es gäbe dafür eine eigene Rangliste). Unterstützt wurden die 4 von der südafrikanischen Rekordhalterin in DNF (130 m) Amber Fillary, die letztes Jahr nach der WM in Turku nach Berlin gezogen ist. Und natürlich unterstützten sich auch alle anderen gegenseitig durch Coaching und Erfahrungsaustausch.

Florian und Marius tasten sich weiter vor

Florian und Marius haben erst vor kurzer Zeit mit den Wettkämpfen angefangen. Florian startete das erste Mal im November letzten Jahres in Berlin bei der Deutschen Meisterschaft und absolvierte in Polen nun seinen 5ten Wettkampf. Seinen Anfang in Berlin absolvierte er damals noch mit 50 m DNF, 80 m DYN und 5:02 STA. Seitdem tastet er sich von Wettkampf zu Wettkampf immer weiter an seine Grenze heran. Ehrensache, dass auch dieses Mal persönliche Bestleistungen aufgestellt werden mussten. Am ersten Tag verlängerte Florian seine letzte Bestleistung aus Tschechien (90 m DYN) auf nun 112 m DYN (Platz 21 von 32 Startern).

Warten auf die richterliche Entscheidung

Am darauf folgenden Tag patzte er leider beim Oberflächenprotokoll nach einer weiteren persönlichen Bestleistung in DNF mit 105 m. Nach einem eigentlich sauberen Hochkommen, kam er beim Abnehmen der Brille mit dem Mund zu nah an die Wasseroberfläche, was die Judges mit Rot werteten. Zur Erinnerung: jegliches Untertauchen der Atemwege nach Beendigung des Tauchgangs führt zu Disqualifikation. Willi und Florian meinten, dass der Mund nicht unter Wasser war, sondern dass Florian einfach beim Ausatmen ein wenig Wasser aufwirbelte. Ein Protest half aber nichts. Die Judges meinten nach langer Beratung und Auswertung des Videos, dass die rote Karte berechtigt war.

Als Trost blieb Florian aber noch die Statik von 6:11 (10ter Platz von 31), bei der er dieses mal auch annähernd an seine Grenze kam. Coach Willi Hoffmann schickte ihn eigentlich schon bei 5:45 hoch. Ein Athlet weiß manchmal aber doch besser, was in ihm vorgeht und so arbeitete Florian sich noch weitere 26 Sekunden heraus.

Drei mal Weiß für Marius

Für Marius war es nun der dritte Wettkampf. Nach 100 m DYN in Riga Anfang des Jahres und später 106 m in Tschechien traute er sich nun ein großes Stück weiter vor und tauchte nach 128 m auf (17ter Platz).

Auch in DNF setzte er noch eine Bahn drauf. Nachdem er in Riga schon 75 m ohne Flossen getaucht ist, kam er dieses mal bei 100 m hoch (15ter Platz). Die beiden Judges hatten noch kurz beraten, ob er das Ende der Bahn nicht über dem Wasser berührt hätte. Die Regeln besagen, dass wenn ein Athlet am Ende der Bahn auftaucht, dann muss er das Ende unter der Wasseroberfläche berühren, sonst wird der letzte Meter abgezogen. Da sich die Judges uneinig waren, wurde im Zweifel für den Athleten entschieden und so konnte sich Marius über eine runde Zahl freuen.

Im Vergleich dazu lieferte Marius in Statik dann recht verhaltene 4:40 (Platz 20). Was aber dennoch eine gute Verbesserung gegenüber den 3:36 in Riga und 4:21 in Tschechien ist.

In der Gesamtwertung gab es für die Berliner Athleten den 13ten Platz für Marius und wegen der roten Karte leider nur 24ten Platz für Florian.

Die üblichen Leistungen für Willi und Ralph

Ralph blieb beim Streckentauchen etwas hinter den eigenen Bestleistungen (130 m DYN, 103 m DNF) zurück und schaffte dieses mal 108 m DYN und 88 m DNF. Bei Statik konnte er dieses mal jedoch seine alte persönliche Bestleistung von 6:06 um 9 Sekunden auf 6:15 verbessern, was ihm den 9ten Platz in Statik bescherte. Da er keine rote Karte bekam und insgesamt recht gut abgeschnitten hat, durfte er sich auch noch über den 11ten Platz in der Gesamtwertung freuen.

Willi startete zunächst mit 191 m DYN (4ter Platz) in den Wettkampf, wobei er damit wieder über 20 m von seiner persönlichen Bestleistung entfernt war und sich etwas ärgerte, da er sich mindestens 200 m erhoffte. Nur kann man sich von einer Disziplin eben nicht zu viel erwarten, wenn man diese seit langem nicht mehr Trainiert hat. Dafür erreichte er aber zum zweiten Mal seine Bestleistung von 7:47 Statik. Dies war der 2te Platz nach Mateusz Malina mit 8:43 (neuer polnischer Rekord). Auch bei DNF lief es gut. Hier war sogar eine neue Wettkampfbestleistung drin. Nach sechs Bahnen hat er sich noch ein kleines Stück vom Ende abgestoßen und tauchte so nach 151 m wieder auf. Auch beim Protokoll hat er dieses Mal aufgepasst. Denn letztes Jahr unterlief ihm derselbe Patzer wie Florian, wo er nach 5 Bahnen wegen Untertauchen der Atemwege noch Rot bekam. Der extra Meter sicherte ihm den dritten Platz in DNF, vor Krzysztof Dabrowski, der 150 m schaffte. Für den zweiten Platz hätte der Abstoß aber kräftiger sein müssen, denn Michal Bochenek erreichte 158 m. Nun, für den ersten hätten es dann schon 2 Bahnen mehr sein müssen.

vlnr.: Willi, Mateusz, Michal

Der Weltrekordhalter Mateusz Malina tauchte für ihn sehr sichere 200 m und wurde, wie erwartet, der Gewinner der Veranstaltung. Willi überholte Michal auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung, da die Statikzeit wesentlich besser war als die von Michal (6:44), der auf den 3tten abrutschte.

Neuer DNF-Weltrekord der Frauen

Man hätte es eigentlich nicht vermutet, dass die schon Weltrekordhalterin Magdalena Solich-Talanda versuchen würde die beiden Rekorde in DYN (immer noch Natalia Molchanova mit 237 m) zu reißen. Denn sie hat erst kürzlich geheiratet und außerdem findet dieses Jahr keine Pool-WM statt. So hätte man eher vermutet, dass sie es, wie Mateusz Malina, etwas ruhiger angehen lässt, da sie außer Julia Kozerska ihre Konkurrentinnen ohne viel Mühe abhängen kann.  Zur Überraschung startete sie aber dennoch mit 250 m DYN in den Wettkampf, bei denen sie leider nicht das Oberflächenprotokoll geschafft hat und damit Rot bekam. Hier konnte man also schon aufhorchen! Zugegeben, sie hat im März schon 254 m auf einer 25 m-Bahn geschafft (YouTube-Link).

Dann trat sie nicht bei Statik an. Hier sieht die Sache für sie aber auch wesentlich schwieriger aus, denn ihre Statikbestleistung ist in der Rangliste mit 5:41 verzeichnet, was aber auch ihre Konkurrentinen drauf haben. Agnieszka Kalska brachte hier 5:25 (3ter Platz STA), Kateryna Sadurska tauchte 5:37 (2te) und Julia Kozerska wurde mit 5:50 erste in Statik.

Warum sollte man sich also anstrengen, wenn man den Titel sowieso nicht mehr holen kann und eigentlich einen Weltrekord im Sinn hat? Ein Grenzgang am Vortag muss sich auch nicht nachteilig auf einen Maximalversuch am nächsten Tag auswirken. Ganz im Gegenteil haben schon einige Athleten beobachtet, dass man am nächsten Tag sogar einen Leistungsschub bekommen kann. Nicht verwunderlich also, dass Magdalena sich zunächst mit ihrem ruhigen und flüssigen Tauchstil auf 191 m vorarbeitete und schließlich auch das Protokoll mit nur ein paar Zuckern meisterte. Sie überbot damit ihren eigenen Weltrekord (185 m), den sie im Vorjahr bei der WM in Turku aufgestellt hat.

Herzlichen Glückwunsch!

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