Interview mit Dagmar Andres-Brümmer zu ihrem Freiwasserrekord

Im Beitragsbild: Unten mit Monoflosse, Dagmar Andres-Brümmer mit Thomas Plum links daneben.

Mehr als sieben Jahre ist der letzte Freiwasserrekord im Streckentauchen mit Flossen alt. Dieser wurde am 10ten Juli 2010 von Olga Martinez-Alvarez mit einer beachtlichen Weite von 152 m aufgestellt. Olga hatte seit 2012 auch den Pool-Nationalrekord im Streckentauchen mit Flossen mit einer ebenfalls beachtlichen Weite von 182 m inne, bis dieser von Dagmar Andres-Brümmer bei der Pool-WM in Belgrad im Jahr 2015 um 4 m überboten wurde und seitdem bei den 186 m steht.

Bei Wettkämpfen kommt Dagmar sehr zuverlässig auf 150 m und mehr, so war es recht naheliegend auch den Freiwasserrekord in Angriff zu nehmen. Das schaffte sie auch sehr sicher, wie man am Oberflächenprotokoll im Video (YouTube-Link) sehen kann und setzte den neuen Nationalrekord auf 161 m. Der Versuch fand am 27ten August im Hardtsee statt, im Rahmen dessen auch Thomas Plum versuchte einen neuen Seerekord im Streckentauchen ohne Flossen aufzustellen, was ihm aber misslang.

Dagmar hält übrigens auch den nationalen Pool-Rekord im Streckentauchen ohne Flossen mit 126 m und den Nationalrekord im Tieftauchen ohne Flossen im See mit 36 m Tiefe.

Der Freiwasserrekord ohne Flossen liegt jetzt übrigens bei 102 m und wird von Ilka Michaelis gehalten, die diesen im Jahr 2010 aufgestellt hat.

Herzlichen Dank an Dagmar, dass sie sich die Zeit genommen hat ein paar Fragen zu beantworten.


Wer hatte die Idee den Rekord zu brechen und wer hat dir bei der Organisation geholfen?

Die Idee hatte Thomas Plum aus unserem Verein. Er wollte den DNF-Rekord im See angehen (130 m von Andre Grabs). Und dann war naheliegend, wenn man schon den ganzen Aufriss macht, dann besser mit zwei Athleten und zwei Rekordversuchen. Also bin ich eingestiegen.

Anmerkung: Tom hat es leider leider nicht geschafft, er hat die Zielmarkierung (also die 130 m des bestehenden Rekords) nicht wahrgenommen und ist viel zu weit getaucht und fast bei 150 mit Black-Out aufgetaucht.

Wir haben dann eine ganze Reihe von Leuten aus unserem Verein plus Freunde aktiviert, die uns geholfen haben. Am Anfang denkt man, OK, ne Leine im See spannen – aber das ist sehr viel mehr Aufwand, als wir selber dachten.

Wie waren die Bedingungen? Temperatur? Sichtweite?

Gut, wir haben genau das richtige Wochenende erwischt. Davor war’s kalt und danach auch wieder. Aber der Sonntag war top, sonnig und der See hatte 23 Grad oben.

Die Sicht war nicht so besonders, was uns auch in Punkto Sicherung etwas Kopfschmerzen bereitet hat. Denn man hat ja Blei um und im Falle eines BO unter Wasser wär man schnell außer Sichtweite oder Reichweite der Safeties. Bei Tom mit DNF war das nicht so problematisch, da er langsamer tauchte. Aber ich bin ziemlich schnell mit der Mono, d.h. die Safeties durften mich nicht aus den Augen verlieren. Aus diesem Grund haben wir auch beschlossen, dass ich auf keinen Fall weiter als 160 tauche.

Hattest du mehr Neopren als sonst an?

Ich tauche DYN oder DNF nie mit Neopren. Immer mit Schwimmanzug.

Wie war der Aufbau? War die Strecke fest vorgegeben? Wie war es mit dem Auftauchen? Gab es etwas, wo du dich hast festhalten können? Man sieht ja im Foto eine Pool-Nudel, hatte die Sicherung diese bereitgehalten?

Die Leine war in 2 m Tiefe gespannt, am Anfang an einem Steg befestigt, am Ende an einem gut verankerten Boot. Wir hatten gut sichtbare Plastik-Markierungen alle 25 m und dann große Markierungen an den bisherigen Rekordmarken – 130 m für Toms DNF und 152 m für mich. Insgesamt hatte die Strecke 170 m. An der Oberfläche lief parallel noch eine schwimmende Leine, die mit Luftballons ebenfalls alle 25 m markiert war. Das war für das Oberflächenteam – Safeties, Judges, Arzt, Kameramann – und auch die die Zuschauer hilfreich.

Fest vorgegeben war nichts. Wie gesagt, ich hatte versprochen nicht über die 160 rauszugehen, aus Sicherheitsgründen. Und wozu auch?

Zum Thema Auftauchen hatten wir vorher rumprobiert, was am besten ist: Rundboje, Poolnudel, SUP. Ich fand das Poolnudel-Paket aus 3 Nudeln am praktischsten. Der letzte Safety hatte dies dabei und hat es mir dann beim Auftauchen vor die Nase geworfen.

Musstest du wenden? Wenn nein, war es dadurch viel schwieriger oder eher einfacher?

Nein, die ganze Strecke war am Stück. Das ist es ja, was den Reiz im See ausmacht. Ich hab mich daher auch wirklich auf den Tauchgang gefreut: Monoflosse tauchen und genießen, ganz ohne lästige Wenden. Von daher ja, ich find es einfacher. Bei DNF ist es natürlich schwieriger ohne Wenden.

Konntest du unter Wasser irgendwie sehen, wie weit du schon gekommen bist?

Wie gesagt, es gab Markierungen am Seil und ich wusste daher sehr genau, wo ich bin. Was ich allerdings schwierig fand, ist die Geschwindigkeit einzuschätzen. Ich hatte das Gefühl langsamer zu sein als sonst. War aber eher das Gegenteil der Fall.

War es insgesamt schwieriger als im Schwimmbad zu tauchen? Gab es etwas, was im See einfacher war?

Sagen wir so, es ist anders. Nicht wirklich schwieriger oder leichter.

Gab es für den Versuch eine spezielle Vorbereitung oder hast du einfach nur im Pool trainiert?

Speziell auf diesen Rekordversuch habe ich nicht trainiert, aber ich bin im Moment viel im Pool, ja. Ich habe am Tag davor die Strecke ein paar Mal abgetaucht – nicht am Stück natürlich – um mich im Kopf darauf einzustellen, was wo kommt und wie sich alles anfühlt.

Dein Rekord im Schwimmbad ist mehr als 20 Meter weiter. Bist du auf Nummer sicher gegangen oder war wirklich Schluss?

Ziel war, den Rekord einzustellen und nicht PB zu tauchen.

Hast du dieses Jahr noch vor deine Pool-Rekorde zu erweitern?

Haha, gute Frage.

Hast du vor bei der Pool-WM nächstes Jahr wieder dabei zu sein?

Das weiß ich noch nicht, aber eher Nein. Ich mach dann wieder mit, wenn es „Masters“ Wettkämpfe gibt.

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