Nachruf zum Tod von Willi Hoffmann

Liebe Freitauchergemeinde in Deutschland, wenige Tage nach den bereits beunruhigen Nachrichten über Willis ungeklärten Verbleib haben wir nun traurige Gewissheit. Willi ist beim Tauchen im See tödlich verunglückt, diese Nachricht lässt uns fassungslos und ungläubig, in tiefster Bestürzung und Trauer zurück. Wir möchten an dieser Stelle dazu aufrufen, seiner gemeinsam zu gedenken, möchten uns gemeinsam mit euch von einem außergewöhnlichen Menschen und Freitaucher verabschieden und möchten die Gelegenheit ergreifen, noch einmal einen Überblick über die uns bereits bekannten Geschehnisse zu geben. Vor allem aber soll es ein kurzer Blick zurück sein auf einige der vielen Facetten, die Willi uns zu einem Vorbild als Athlet und Mensch haben werden lassen, zu einem Ansprechpartner in der Not, einem respektierten Konkurrenten, einem Lehrer, zu einem guten Freund.

Den letzten bestätigten Kontakt zu Willi gab es Samstag, den 18.08.2018 vormittags. Am Sonntag nahm er eine Verabredung mit einem Trainingspartner nicht wahr, am Montag und Dienstag fehlte er bei der Arbeit. Daraufhin wurde er als vermisst gemeldet. Die im Kreise seiner Angehörigen und Trainingspartner über sein mögliches Reiseziel zusammengetragenen Vermutungen führten freiwillige Helfer am Freitag zum Geiseltalsee, nachdem AIDA-Deutschland in einem Aufruf seine Mitglieder um Unterstützung bei der Suche nach Willi gebeten hatte. Unweit der Tauchschule konnte auf einem Parkplatz sein Fahrzeug identifiziert werden, woraufhin Polizei und Vorstand verständigt wurden, der sich daraufhin mit Willis Familie in Verbindung setzte. Durch eine von Polizei und DLRG koordinierte Suche konnte zunächst Willis Boje in einem für Taucher gesperrten Bereich lokalisiert werden. Willi selbst wurde leblos in einer Tiefe von 50m gefunden, durch eine Lanyard mit dem Führungsseil verbunden, und von Tauchern der DLRG geborgen. Sichergestellt werden konnte sein Tauchcomputer, von dessen Auswertung man sich weitere Erkenntnisse zum Unfallhergang erhofft. Als sicher muss angenommen werden, dass Willi allein getaucht ist.

Willi Hoffmann war seit einigen Monaten der zweite Vorstandsvorsitzende von AIDA-Deutschland. Seine erklärten Ziele, den Verein lebendig zu halten, immer wieder neue Menschen für das Freitauchen zu begeistern und auch einige an den Wettkampfsport heranzuführen, füllte er mit einer ansteckenden Leidenschaft, mit viel Herzblut und Passion aus. Willi war selbst ein außergewöhnlicher Athlet. Die Seite apnearanking.se listet weit mehr als 200 deutsche Männer, die im Laufe der letzten Jahre bei Poolwettkämpfen gestartet sind, Willi war der zweiterfolgreichste von ihnen. Willi nahm an zwei Weltmeisterschaften teil, 2015 schaffte er es ins A-Finale beim statischen Luftanhalten, 2018 gewann er das B-Finale der gleichen Disziplin mit 8:31min. Ebenfalls bei der WM in Belgrad 2018 kam er mit 219m mit der Monoflosse dem vor über einer Dekade durch den Ausnahmetaucher Tom Sietas aufgestellten Dynamik-Rekord (223m) so nah wie noch niemand zuvor. Willi trainierte mit großer Leidenschaft und nahm an sehr vielen Wettkämpfen teil, seine Leistungen verbesserte er über die Jahre stetig. Es wäre vermutlich eine Frage der Zeit gewesen, bis dieser Rekord durch Willi eingestellt worden wäre, und ihm wäre es wohl gegönnt gewesen wie kaum einem anderem – nun wird dieser Rekord mit ziemlicher Sicherheit noch deutlich länger Bestand haben.

Willi war stets hilfsbereit und unterstützte, wo er konnte, er hatte ein offenes Ohr für jedermann, zu jeder Zeit. Es spielte keine Rolle, ob man Wettkampf-Neuling war oder alter Hase, eine ihm noch unbekannte Person oder langjähriger Trainingspartner – selbst Minuten vor seinen eigenen Starts war er noch ansprechbar für die Nöte anderer. In vielerlei Hinsicht konnte er uns als Vorbild dienen, seien es seine Liebe für den Sport, seine Trainingsdisziplin, seine gezeigten Leistungen oder der Respekt, die Fairness und die Unterstützungsbereitschaft, mit denen er seinen Mitstreitern begegnete. Für einige war es genau Willi´s Einstellung zum Freitauchen, die Anreiz war und half, die eigenen mentalen und physischen Grenzen immer weiter auszuloten und zu verschieben… vielleicht beseelt von der anspornenden Idee, vielleicht einmal so stark zu werden wie er oder ihn wenigstens einmal schlagen zu können, vielleicht einfach nur in der Hoffnung, einige der Tugenden nachahmen oder übernehmen zu können, mit denen er den Sport in Deutschland nachhaltig prägen konnte. Für diejenigen, die mit ihm trainierten, war er ein verlässlicher Partner, Coach und Lehrer, sich nie zu schade, die eigenen Erfahrungen, wertvolles Wissen und Tipps weiterzugeben.

Einigen von uns war es vergönnt, ihn auf den mehrtägigen Wettkämpfen im In- und Ausland näher kennenzulernen. Willi war ein warmherziger Mensch, er war ruhig und besonnen, intelligent und witzig, er war ein Mensch, dessen Nähe man schätzte und suchte, und mit dem man gerne Zeit verbrachte. Auch wenn es zunächst der Sport war, der einte und der sich deshalb als Thema anbot – mit der Zeit durfte man immer wieder neue und bereichernde Seiten an ihm kennenlernen. Willi war eloquent, vielseitig interessiert und belesen, er hatte äußerst reflektierte Ansichten zu Umweltschutz, Innen- und Außenpolitik oder Fragen des gemeinschaftlichen Zusammenhalts. Doch das eigentlich Beeindruckende daran war seine Art, die eigenen Überzeugungen auch konsequent zu leben, diese aber niemals anderen aufdrücken zu wollen. Gerade sein Respektieren-können der mitunter widersprüchlichen Ansichten und Lebensweisen anderer führte dazu, dass man viel eher bereit war, selbstkritisch das eigene Denken und Handeln zu reflektieren. Diejenigen, die die Gelegenheit hatten, Willi in all diesen vielfältigen Kontexten zu erleben, dürfen sich glücklich schätzen, denn für sie war er nicht nur eine faszinierende Person, er war auch ein geschätzter Freund.

Willi lässt uns nicht nur tief bedrückt, sondern auch mit vielen offenen Fragen über das, was ihm zugestoßen ist, zurück. Für seine Entscheidung, alleine tauchen zu gehen, zahlte er den höchsten Preis, doch über seine Beweggründe sollten wir aus Respekt vor seiner Familie und den noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen zum Unfallhergang auch weiterhin keine öffentlichen Spekulationen anstellen. Willi war Motor und Impulsgeber für das Freitauchen in Deutschland, es liegt an uns, sein Vermächtnis zu bewahren und weiterzuführen. Aus dem tragischen Unfall und Verlust eines sonst so umsichtigen Menschen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nur den Schluss ziehen, dass es zum Tauchen mit einem verlässlichen Sicherungspartner keine wie auch immer geartete Alternative geben darf, völlig egal, ob ein geplantes Training an die eigenen Leistungsgrenzen heranführt oder nicht.

Ruhe in Frieden lieber Willi, wir werden dich schrecklich vermissen.

Für AIDA-Deutschland, Florian

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