2 Deutsche Seerekorde im Streckentauchen durch Thomas Plum

AIDA-Deutschland gratuliert Thomas Plum herzlich zu neuen Bestweiten. Nachdem Thomas bereits im Juli mit seinem Unterwasser-Spaziergang, dessen Distanz von 85m ihm den Eintrag ins Guinness-Buch sicherte, schon für Erheiterung und anerkennendes Staunen gesorgt hatte, schien für ihn nur einen Monat später erneut die Zeit gekommen, sich auf Rekordjagd zu begeben. Am Hardtsee in Ubstadt-Weiher nahm er am Sonntag, den 12.08.2018 mit den Disziplinen Dynamic No Fins (DNF) Freiwasser und Dynamic (DYN) Freiwasser gleich zwei AIDA-Seerekorde ins Visier.

Schon 2017 hatte sich Tom am Einstellen des DNF-Rekordes versucht, damals passte zwar schon die Weite, die Kraft für ein sauberes Protokoll reichte allerdings nicht mehr aus und der Versuch endete in einem Blackout. Diesmal sollte das akribisch von Mitgliedern seines eigenen Tauchvereins, den TC Manatees aus Stuttgart sowie den Skin-Divers aus Ubstadt-Weiher vorbereitete Unterfangen gleich doppelt von Erfolg gekrönt sein – Thomas übertraf die bisherigen Bestmarken in beiden Disziplinen. Die 131m im ersten Tauchgang DNF bedeuteten nicht nur das Verbessern des Deutschen Rekordes (130m), sondern auch ein deutliches Übertreffen des Guiness-Weltrekordes, der bis dato mit 100m gelistet war. Auch in der Disziplin Dynamic (DYN) Freiwasser wird fortan Thomas Plum´s Name ganz oben stehen: hier tauchte er mit 178m eine Distanz, die ganze 5m über dem Deutschen Rekord (173m) und einen Meter über dem bestehenden Weltrekord (177m) lag.

Was braucht es, um sich auf ein solches Projekt einzulassen? Um Tom ein wenig besser kennen und seine Beweggründe und Motivationen für den Rekordversuch verstehen zu lernen, wurde er von AIDA-Vorstand Michael Nedwed um die Beantwortung einiger Fragen gebeten.

Du bist jetzt seit 1 3/4 Jahren Mitglied bei AIDA, wie war deine Entwicklung als Athlet?

Mit dem Freitauchen habe ich Anfang 2015 im Verein der TC Manatees angefangen. Mir hat die Kombination aus Technik, Fitness und Entspannung unheimlich gut gefallen und mit dem gut organisierten Training konnte ich meine Leistungen schnell steigern. Schon im August 2015 habe ich mit 102m DNF einen Vereinsrekord aufgestellt und in 2016 die Vereinsmeisterschaft der Herren gewonnen. Wettkampftauglichkeit war hergestellt, also habe ich mich bei AIDA Deutschland angemeldet und im Februar 2017 in Innsbruck meinen ersten Wettkampf bestritten. Das lief richtig gut: in der Newcomer-Wertung konnte ich die beiden Einzeldisziplinen und damit auch die Gesamtwertung gewinnen. Das war natürlich ein toller Einstieg in die Wettkampfszene. Vor allem die 128m in DNF erregten schon ein wenig Aufmerksamkeit für einen Newcomer.
Mein zweiter Wettkampf war dann im September 2017 gleich die Deutsche Meisterschaft, bei der ich die Bronzemedaille in DNF gewinnen konnte. Danach habe ich dann verstärkt Monoflossentechnik trainiert und konnte dieses Jahr bei der Deutschen Meisterschaft in DNF und DYN gleich 2 Bronzemedaillen in den Streckentauchdisziplinen gewinnen. Jetzt die beiden Rekorde im Freiwasser an einem Tag zu knacken war jetzt natürlich ein absolutes Highlight.

Wann und warum kam dein Gedanke die Pooldisziplinen auch im Freiwasser zu absolvieren?

Ich stecke mir gerne anspruchsvolle Ziele. Den Streckentauchrekord ohne Flossen im Freiwasser hatte ich schon seit 2016 auf der Agenda, als meine Trainingsleistungen im Pool schon im Rekordbereich waren. Ich wollte aber zunächst mal Wettkampferfahrung sammeln und die Gelegenheit für Streckentauchen im See ergibt sich ja auch nicht so einfach. Nachdem ich meinen ersten Wettkampf erfolgreich absolviert hatte und ich meine Leistungen weiter steigern konnte, wollte ich den Rekord angehen. In der Zwischenzeit hatte Andre Grabs den Deutschen Rekord deutlich verbessert und die Messlatte mit 130m ordentlich hochgelegt. Wir haben dann im Sommer 2017 die Streckentauchrekorde für Dagmar Andres-Brümmer und mich organisiert. Dagmar war erfolgreich und hat einen Deutschen Rekord aufgestellt, mein erster Versuch im See hatte kein gutes Ende – ich übersah die Rekordmarke, wusste nicht wie weit ich war, bin mit fast 150m viel zu weit getaucht und hatte nach dem Auftauchen einen Blackout, der dank der guten Absicherung glimpflich ausging. Ich war ziemlich enttäuscht, trotzdem war sofort nach dem Versuch für mich klar: das versuche ich nochmal und lerne aus meinem Fehler.
Der Plan, dann auch noch den Rekord im Streckentauchen mit Flossen im Freiwasser anzugreifen kam mir dann auch vor etwa einem Jahr.

Wie lange hast du dich darauf vorbereitet?

Na ja, das Ziel stand ja schon vor über einem Jahr fest. Ich habe regelmäßig recht intensiv trainiert und zusätzlich an einigen Wettkämpfen teilgenommen. Nach der Deutschen Meisterschaft im April habe ich zur Erholung im Training für 2-3 Wochen einen Gang runtergeschaltet. Ab Juni habe ich dann das Training wieder intensiviert und sehr gezielt auf die Rekordversuche ausgerichtet. Zusätzlich zur weiteren Verbesserung von Technik, Fitness, CO2- und O2-Toleranz, habe ich speziell im letzten Jahr darauf trainiert, in Wettkampfsituationen eine vorher geplante Weite im Bereich meiner Möglichkeiten zu tauchen und auf entsprechende Markierungen zu achten. Das konnte ich dann bei den Rekordversuchen in diesem Jahr auch gut umsetzen.

Unterscheidet sich dein Kälteschutz für das Freiwasser von dem im Pool?

Nein, ich habe den gleichen Neoprenanzug angezogen wie im Pool, die Wassertemperatur im See war an der Oberfläche ähnlich wie im Pool. Das Wetter hat auch mitgespielt, wir haben einen schönen Sommertag erwischt, so dass auch die Außentemperaturen angenehm waren.

Was war für die dich größte Schwierigkeit/Umstellung?

Die Sichtverhältnisse im See waren deutlich schlechter als im Pool. Das war eine Herausforderung für alle Beteiligten. Beim Streckentauchen ohne Flossen fehlt im Freiwasser die Möglichkeit, sich bei der Wende am Beckenrand abzustoßen, was den Tauchgang deutlich anspruchsvoller macht. Bei DYN ist das eher ein Vorteil, wenn man mit der Flosse nicht wenden muss. Dadurch, dass man die gesamte Strecke ohne Wenden und damit ohne Rhythmuswechsel taucht, muss man besonders darauf achten, eine gute Balance zwischen entspanntem Flow und der notwendigen Aufmerksamkeit zu finden. Auf die Markierungen zu achten, jederzeit zu wissen, wo du gerade bist und wann du auftauchen sollst, ist im See deutlich schwieriger. Und das das exakte Auftauchen an der Poolnudel mit korrektem Protokoll erfordert auch ein gutes Timing und etwas Übung.

Was hat bei den Rekordversuchen am meisten “genervt“?

Wirklich genervt hat mich nichts. Der Aufwand so einen Event auf die Beine zu stellen ist enorm. Manchmal hätte ich mir in der Vorbereitung mehr Zeit für Ruhe und Entspannung gewünscht.

Wie habt ihr die Markierung der Strecke realisiert?

Unter Wasser hatten wir ein Seil in einer Tiefe von 2m gespannt und alle 25m einen beschrifteten weißen Markierungspfeil angebracht und an den Rekordmarken ein Stück zurechtgeschnittene Poolnudel mit Kabelbindern befestigt. Ein paar Meter hinter den Rekordmarken hatten wir zur Sicherheit noch eine PET-Flasche als zusätzliche Markierung. An der Oberfläche hatten wir ein Seil mit Luftballons als Markierungen gespannt zur Orientierung für die Judges, das Team und das Publikums.

Hat dich während den Tauchgängen auch mal der innere Schweinehund belästigt?

Oh ja  . Der erste Tauchgang war DNF. Ich war entspannt, zuversichtlich und fokussiert. Der Tauchgang selbst lief sehr gut und ich musste nicht bis an mein Limit gehen.
Dafür war der zweite Tauchgang umso anstrengender. Schon bei der Vorbereitung habe ich gemerkt, dass es nicht so leicht ist, nach einer kurzen Erholungspause gleich nochmal eine Höchstleistung zu bringen. Beim zweiten Tauchgang fiel mir dann das Luftanhalten und durchhalten schon vor der 100m Marke richtig schwer. Aber hier ging es ja um was, da wollte ich natürlich den inneren Schweinehund überwinden. Ich habe mich mit dem Ziel, den Rekord zu knacken, dem Wissen das ich das schaffen kann und dem ganzen Aufwand den wir in die Vorbereitung gesteckt haben unter Wasser weiter motiviert. Dabei habe ich mich aber auch dauernd selbst gecheckt. Ich war voll da und so konnte ich bis zu den Marken des Deutschen und auch des Weltrekords weitertauchen. Nach dem Tauchgang war ich superglücklich und ganz schön geschafft.

Wie groß war dein Team?

Das Team bestand auf 9 Personen für Streckenaufbau, Vermessung und Markierung, Safety, Foto, Video, Zeitnahme und Rudern des Begleitbootes.
Dazu kamen dann noch die beiden AIDA Offiziellen in den Rollen als Judges und Arzt und ein Beobachter für den Guinness World Record.
Insgesamt also 12 Personen.

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