Nationalrekord von Heike Schwerdtner in der Disziplin CNF (See)

Heike Schwerdtner hat den Deutschen Rekord in der Disziplin Constant No Fins (See) auf 37m verbessert, der Rekordversuch von Jens Stötzner, 81m Constant Weight (See) zu tauchen, war leider nicht erfolgreich.

Heike Schwerdtner bleibt voller Überraschungen. Dass sie nicht nur Statik kann, sondern sich auch in den anderen beiden Pooldisziplinen zunehmend wohlzufühlen beginnt, ist nicht erst seit der AIDA-Weltmeisterschaft im Juli klar, sondern deutete sich bereits in den Wettkämpfen davor an. Nun hat sie auch die Tiefe für sich entdeckt und für die nächste Positivschlagzeile gesorgt. Ohne jegliche Vorerfahrung in einem Tiefenwettkampf hat sie in einem angekündigten Rekordversuch am Starnberger See am 09.09.2018 den seit 2014 bestehenden Rekord von Dagmar Andres-Brümmer in einem wie sie sagt „entspannten“ Tauchgang um einen Meter auf 37m verbessert. Herzlichen Glückwunsch liebe Heike! Für Jens Stötzner lief dessen Rekordversuch in der Disziplin CWT leider weniger erfreulich. Auf dem Weg nach unten rutschte ihm ein Fuß aus dem Fußteil seiner Monoflosse. Rhythmus und Ruhe waren natürlich dahin, trotzdem setzte Jens nach Beheben des Maleurs den Abstieg fort, und es gelang ihm auch, das Tag als Beweis für die erbrachte Rekordtiefe einzusammeln. Auf dem Weg zurück an die Oberfläche rächte sich dann allerdings die beim Flosse Richten verlorene Zeit. Der Tauchgang war knapp 30 Sekunden länger als anvisiert, so dass Jens knapp unter der Oberfläche einen Blackout erlitt. Zur Sicherheit wurde Jens in ein Krankenhaus gebracht, welches er aber rasch wieder verlassen konnte. Wir drücken die Daumen für die weiteren Wettkämpfe.

Der neue Rekord von Heike Schwerdtner war uns Anlass, sie zu ihrer bisherigen Entwicklung als Athletin und zu dem Event zu interviewen.

Heike, du bist erst seit Mai 2017 Mitglied bei AIDA, dein erster Wettkampf war der Burgebracher Kelch 2017, doch was du bereits dort und in den Monaten danach hast zeigen können, ist wirklich beachtlich.

Wie hast Du zum Freitauchen gefunden?

Ich bin mein Leben lang schon im Wasser gewesen. Früher als Kunstspringerin und beim Schwimmen, beides im Wettkampfbereich. Als ich dann mit Schwimmen aufgehört hatte, war ich über 15 Jahre als Gerätetaucherin (TL*) unterwegs. Bei meinem ersten Apnoeversuch – einfach einmal mit Tauchern die Luft anzuhalten, habe ich so Kopfschmerzen bekommen, dass ich damals dachte, was ist denn das für ein Blödsinn. Franz Schleibinger, ehemaliger Sachabteilungsleiter im BLTV, hat ein Seminar am Murner See abgehalten, an dem ich spaßeshalber teilgenommen habe. Das war mein Einstieg.

Wie bist Du dazu gekommen, Freitauchen auf Wettkampf-Niveau betreiben zu wollen?

Das hatte ich zunächst gar nicht vor. Stephan Lehmann, ein Freitaucher aus Regensburg, wollte am Burgebracher Kelch 2017 teilnehmen. Dies hat er in meinem Beisein Monika Hopf bei einem Workshop erzählt und mich wollte er als Coach dabei haben. Da meinte ich dann, wenn ich schon hinfahre, dann nehme ich auch selber teil, der Neugier und Erfahrung wegen. Monika unterstützte dies natürlich. In Burgebach haben mich dann ein paar Leute aus dem Kader angesprochen, ich sollte doch weitermachen.

Wie wir wissen, ging es für Heike daraufhin äußerst erfolgreich weiter. Das Einstellen und bereits mehrfache Verbessern des Deutschen Rekordes in Statik, der Sprung auf den zweiten Platz im All-time-Ranking der Damen in Deutschland, die Teilnahme an den individuellen Weltmeisterschaften in Belgrad 2018.

Kannst Du uns einen kurzen Einblick in dein übliches Training und deine Vorbereitungen vor einem Wettkampf geben?

Ich trainiere und leite hier in Regensburg unsere Freizeit- und Wettkampf-Apnoisten-Gruppe. Unser reguläres Training im Westbad dauert eine Stunde. Oft hänge ich dann hinten noch ein Ausdauertraining an. Yoga mache ich einmal die Woche. Dann versuche ich noch 1x die Woche eine Dry-Session einzubauen und Mittwochs wieder mit ein paar Leuten ins Wasser zu kommen. Vor einem Wettkampf schraube ich Dehnen und Dry-Sessions etwas hoch und tauche mehr längere Strecken.

Wann hast Du neben deiner Begabung für die Pooldisziplinen entdeckt, dass auch das Tieftauchen etwas für dich sein könnte?

Das war Anfang August während meines Urlaubs auf Teneriffa.

Wie fand dann deine Vorbereitung auf den Rekordversuch statt?

Anfang August bin ich zum Freitauchen nach Teneriffa geflogen und hatte mich ein paar Tage davor am rechten Fuß verletzt, so dass ich meine Monoflosse zwar dabei hatte, sie aber nicht tauchen konnte. Also bin ich alles in FIM und DNF getaucht und habe dort 37,5m (DNF) erreicht. Ich wusste von Jens Stötzner, dass er einen Individualrekordversuch für Anfang September geplant hatte – da dachte ich mir, das probier´ ich jetzt auch. Im See davor war ich einmal auf 30 m DNF und einmal auf 35 m DNF, mehr nicht.

Wie gehst Du mit der Situation um, dass Du in vielen Wettkämpfen mittlerweile zum Kreis der Favoritinnen gezählt wirst? Hat sich dadurch für dich etwas am Freitauchen verändert?

Das versuche ich auszublenden, sonst empfinde ich zu viel Druck. Ich tue das, was gerade geht und gut. Das Freitauchen hat sich für mich schon verändert deswegen. Früher hatte ich keinen Fokus auf etwas und habe es getan, weil es mir Spaß gemacht hat. Spaß macht es mir immer noch, ich habe tolle Buddies, die einfach auch Lust haben zu trainieren und Lustiges und Neues unter Wasser auszuprobieren. Jetzt trenne ich Freizeitspaß und Wettkampf und versuche den Spaß und die Entspannung nicht zu verlieren. Was ich toll finde ist, dass ich so viele nette Leute aus allen Kulturkreisen überall auf der Welt treffe, mit denen mich das Freitauchen verbindet.

Was kostet dich beim Freitauchen im See die größte Überwindung? Gibt es Ängste, denen du dich stellen musst? Welche Gedanken und Gefühle hattest Du während des Tauchganges?

Oh ja, zu überwindende Ängste gibt es bei mir viele. Die dunkle Schwärze und die Tiefe sind Herausforderungen für mich. Und auch das Alleinsein da unten. Die Angst vor dem Hängenbleiben da unten, vor einem Black Out, die Angst davor, dass ich das Tag nicht erwische, dass das lanyard aufgeht; dass ich es nicht schaffe… soll ich noch weitermachen? Was das Tieftauchen angeht habe ich leider immer eine blühende Phantasie!

Wie sieht die Organisation bei solch einem Rekordversuch aus?

Wir hatten bei jedem Rekordversuch drei Safeties, die nicht nur den Athleten, sondern auch sich gegenseitig gesichert haben, dann waren da natürlich die Judges und die Wasserwacht stand auch in Bereitschaft. Zusätzlich waren tauchmedizinisch ausgebildete Ärzte vor Ort und natürlich noch ein paar Freitaucher, welche die Boje, an der man die Aufwärmtauchgänge absolvierte, betreut haben.

Was sind deine weiteren Pläne als AIDA-Athletin?

Das wird die Zeit zeigen.

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