Rhein-Main Cup 2018

Seit einigen Monaten versuche ich mich in einer objektiven, und – hoffentlich für einige – auch unterhaltsamen Berichterstattung über AIDA-Deutschland-Wettkämpfe und die Ergebnisse deutscher Athleten im Ausland. Übernommen hatte ich dieses „Amt“ von Willi Hoffmann, den ich in seiner Funktion des Vizevorsitzenden von Aida Deutschland ein wenig entlasten wollte. Ich habe schnell gemerkt, die Ergebnisse dieses besonderen und für alle (Starter wie Ausrichter) herausfordernden Wettkampfes nicht bloß als nüchterner Beobachter referieren zu können – es ist der erste in Deutschland ausgerichtete Wettkampf nach seinem Tod. Ich habe mich dieses Mal für einen Erlebnisbericht entschieden, in den ich meine eigenen Erfahrungen als Starter, die Resultate der Competition sowie für die noch wenig oder gar nicht Wettkampf Erfahrenen den ein oder anderen möglicherweise hilfreichen Tipp mit einfließen lasse. Für die Eiligen unter uns der Hinweis, dass die Ergebnislisten unten angehängt sind.

Ich habe in den letzten zwei Jahren, die mich dieser Sport mittlerweile in seinem Bann hält, an vielen Poolwettkämpfen im In- und Ausland teilgenommen. Zu keinem musste ich mit so gemischten Gefühlen anreisen – und von wenigen bin ich so angetan und so berührt wieder abgereist. Auf dem diesjährigen Rhein Main Cup lastete eine schwere Bürde. Denn der kleinen, dafür intimen und untereinander zumeist persönlich-bekannten Aida-Deutschland-Familie fehlt seit kurzem ihr Herz, ihr Zugpferd, ihr Vorbild und ihr Vorzeigeathlet. Wie kann es angesichts des kürzlichen Todes von Willi überhaupt gelingen, eine Competition auszurichten, wenn doch kaum Zeit blieb, die Trauer um den gemeinsamen Freund auch nur ansatzweise zu überwinden? Die Wiesbadener haben sich trotz dieser Widrigkeiten der Aufgabe gestellt, und es gebührt ihnen Dank dafür. Sie haben es uns Athleten in einem erinnerungswürdigen Event ermöglicht, den gemeinsamen Spaß und die Leidenschaft, die Liebe und den Ehrgeiz für unseren Sport empfinden, ausdrücken und miteinander teilen zu dürfen. Vor allem aber haben sie es uns, zusammen mit Michael Nedwed, ermöglicht, uns in einer sehr würdigen und berührenden Zeremonie von Willi gemeinsam verabschieden zu können.

Zu viert waren wir aus Berlin nach Wiesbaden gekommen – Marius, Julian, Maria und ich. Jeden von uns verbinden viele schöne Erlebnisse mit Willi, wir haben einige Wettkämpfe gemeinsam bestritten und uns gegenseitig unterstützt; Maria und ich konnten unsere freundschaftliche Bekanntschaft zu ihm während der WM in Belgrad weiter vertiefen. Willi hatte mir in Wiesbaden vor genau einem Jahr mit hervorragendem Coaching durch einen heftigen Samba und damit zum Deutschen Vizemeistertitel in Statik verholfen, ich hingegen durfte ihm als sein Coach – abgesehen von ein bisschen Durchs-Wasser-Schieben und gelegentliche Angaben von Zeiten – dabei zuschauen, wie er mit einer Minute Vorsprung den Meistertitel einfuhr. Dieses Mal hatte ich einfach nur Angst davor, das Becken des damals geteilten Erfolges wiederzusehen und ohne ihn betauchen zu müssen – den anderen drei ging es genauso. War es richtig hier anzutreten? War es vielleicht sogar wichtig? Was hätte sich Willi für uns und die anderen, was für den Sport gewünscht? Wir waren uns nicht sicher.

Ein Wettkampf beginnt immer mit der Einschreibung, bei der die Personalien festgestellt, eine Startnummer vergeben und die gemeldeten Zeiten und Weiten sowie die Gültigkeit eines tauchmedizinischen Attests überprüft werden. In der Halle wurde der eintägige Wettkampf dann von AIDA-Deutschland-Präsident Michael Nedwed eingeleitet. In Gedenken an Willi trugen alle am Wettkampf Beteiligten Trauerflor, welcher von Michael ausgegeben wurde. Für die erfreulich vielen Newcomer, die zum ersten Mal in einer Competition starteten, aber auch für die älteren und ganz alten Hasen wurden dann von Main-Judge Monika Hopf die wesentlichen Regeln des Wettkampfes erläutert respektive in Erinnerung gerufen. Das nach dem Auftauchen eines Versuches innerhalb von 15 Sekunden abzuliefernde Oberflächenprotokoll (Gesicht von Maske und Nasenklammer freimachen, dann in Richtung des Judges ein OK-Zeichen geben, dann „I´m Ok“ oder „I am OK“ sagen) ist den meisten aus dem Training, wo man sich genau an das gleiche Protokoll halten sollte, sicher längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ich persönlich tue mich am schwersten damit, mich selbständig an eine andere, ebenso wichtige Regel zu erinnern, da auch deren Nichtbefolgen eine Disqualifikation zur Folge hätte – das Melden bei den Kampfrichtern genau eine Stunde vor dem Start. Ungefähr zu dieser Zeit verschwinde ich meistens in meinem „mentalen Tunnel“, versuche mich zu beruhigen und auf den kommenden Tauchgang zu fokussieren. Hier ist es wirklich von Vorteil, sich einen Alarm zu stellen oder sich auf eine Erinnerung durch den Coach oder andere verlassen zu können.

Der leider nur eintägige Rhein-Main Cup sah für uns Starts in zwei Disziplinen vor. Für alle sollte es zunächst mit dem statischen Zeittauchen beginnen, das ist üblich, da diese Disziplin am besten auf leerem Magen absolviert werden sollte. Am Nachmittag folgten dann die dynamischen Streckentauchdisziplinen. Bei diesen hatte man sich zu entscheiden, ob man in der Disziplin mit Flossen (bifins oder Monoflosse) oder ohne (DNF) antreten wollte. Auch wenn einige hochkarätige Starter wie Robert Woltmann, Jens Stötzner oder Thomas Plum bei den Herren oder Dagmar Andres-Brümmer bei den Damen fehlten, sollte es ein ansprechender und spannender Wettkampf werden.

In Vorbereitung auf einen guten Statik-Versuch gilt es, sowohl innere mentale Ruhe zu finden als auch den Körper bestmöglich auf die Extrembelastung vorzubereiten. Einen Goldstandard, wie man das am besten erreicht, gibt es nicht, manche Empfehlungen mögen sicher für viele taugen, letztlich bleibt es aber dem jedem überlassen, die für sie/ihn bestmögliche Strategie herauszufinden. So kam es, dass einige die erlaubte Aufwärm- bzw. Abkühlzeit von 45 Minuten vor der eigenen Startzeit fast vollständig im Wasser mit Probetauchgängen verbrachten und so ihren Tauchreflex anregten, andere sich mit Yoga oder Entspannung einstimmten oder sich mit Kopfhörern oder Schwätzchen mit anderen so gut es geht ablenkten. Es wäre mal sicher interessant, Erfahrungsberichte über das zu sammeln, was jedem einzelnen vor, aber auch während der Statik durch den Kopf geht, auf was man sich fokussiert, wie man die Zeit totschlägt, wie mit dem heftiger werdenden Atemreiz und Kontraktionen umgegangen wird, wie der innere Schweinehund zumindest eine Weile besiegt werden kann und wann es Zeit ist aufzutauchen.

Einen bekannten Coach zu haben, der die Signale des Körpers des gerade Tauchenden einzuschätzen in der Lage ist, ist ein essentieller Baustein für einen erfolgreichen Tauchgang. Julian und ich coachen uns schon lange gegenseitig im Training und auch auf Wettkämpfen, kennen einander sehr gut und vertrauen den Beobachtungen des anderen genauso wie den selbst gefühlten Körpersensationen. Wann setzen die ersten sichtbaren Kontraktionen ein? Wie rosig ist noch die Gesichtsfarbe? Wie gut ist der/die Tauchende ansprechbar und in der Lage, zügig auf Anweisungen zu reagieren? All das sind beispielhafte Fragen, die ein guter Coach in die Bewertung der Situation und sein Coaching mit einfließen lässt. Es starteten im Abstand von 10 Minuten jeweils 4 Athleten/Athletinnen gleichzeitig, mit den niedrigen Announcements wird immer begonnen, danach geht es aufsteigend bis zum höchsten Announcement weiter. Schon bei der Anmeldung für den Wettkampf hatten wir als Buddy-Team deshalb darauf geachtet, dass Julian eine ausreichend niedrige, ich eine ausreichend hohe Zeit meldeten. So bleibt für den zuerst Startenden Zeit für Erholung und das Verarbeiten des eigenen Tauchganges, für den anderen noch ausreichend Zeit für die eigene Vorbereitung und bei einer längeren Pause Gelegenheit, auch noch mal aus den nassen Klamotten zu klettern, denn Frieren vor dem Start ist ein no-go. Eine hohe Meldezeit kann möglicherweise unter Druck setzen, umgekehrt kann eine niedrige eventuell dazu verleiten, den Tauchgang vorzeitig abzubrechen. Auch hier muss jeder rausbekommen, womit er/sie am besten klar kommt. Ich habe eine Weile benötigt, bis ich mit hohen Announcements umgehen konnte, immerhin haben sie einen Vorteil: Da ich mir für die Statik in Wiesbaden ein gutes Ergebnis vorgenommen hatte, hatte ich durch mein hohes Announcement – nur der starke Johannes Hummel sollte eine noch höhere Zeit angegeben haben und damit nach mir dran sein – die Gelegenheit, die Konkurrenz ein wenig beobachten zu können. Für die Disziplin DYN sollte sich dieselbe Strategie für mich später noch auszahlen.

Alles OK bei Julian Jansen van Rensburg

Bei der Disziplin Statik bekommt man für jede getauchte Sekunde 0,2 Punkte, 1 Minute Tauchzeit entsprechen damit 12 Punkten. Bei den Herren gingen 20 der insgesamt 21 Teilnehmer in der Disziplin Statik an den Start, Hans-Jürgen Lenzen musste wegen Kopfschmerzen passen, er konnte aber später noch in der DYN-Diziplin antreten. Eine bittere rote Karte aufgrund eines verpatzten Protokolls bekam Fernando Iscar Rüland nach 06:05 min, der sich vor einem Jahr in Wiesbaden im Rahmen der Deutschen Meisterschaften noch die Bronzemedaille in Statik sichern konnte. Der Wettkampftag hatte für ihn schon nicht gut begonnen, nachdem er für die erste Disziplin vollständig auf Leihequipment zurückgreifen musste. Die mit mir gemeinsam am Vorabend verzehrte Chili-Pizza (eigentlich nur bedingt vor Statik zu empfehlen – aber das muss wohl Teil unserer psychologischen Kriegsführung gegeneinander gewesen sein) muss ihn wohl nachhaltig verunsichert haben, jedenfalls vergaß er seinen Autoschlüssel im Restaurant und kam so nicht an seine Ausrüstung heran. Die einzige weitere Disqualifikation bekam ausgerechnet der von mir gecoachte Julian Jensen van Rensburg, der nach einem – wie wir beide es empfanden – sehr entspannten Tauchgang am Ende doch nicht mehr die nötige Kraft hatte, mit den Atemwegen nach dem Auftauchen wieder leicht untertauchte und auch einen Fehler in der Ausführung des Protokolls machte.

Nico Storch schaffte 01:58min, Carlo Weller tauchte 03:17min, Marius Nogueras 04:03min. Thomas Ehresmann schaffte es 04:06min, eine Sekunde mehr hielt es Florian Bach mit 04:07min aus. Es folgen die beiden Newcomer Alexander Settle (04:13min) und Ingo Bartling (04:24min), Mike Börner erreichte 04:35min, der Newcomer Alexander Mesch 04:37min und Volkmar Körner 04:58min. Bei den Herren schafften Günther Lemberger (05:02min), Eric de Jong (05:17min), Sven Abels (05:36min) und Arnd Steckenborn (05:37min) Ergebnisse oberhalb der 5-Minuten-Marke. Starke 06:07min tauchte Helmut Krupp, wie schon im letzten Jahr sollte er sich später im Gesamtranking auf einem tollen 4. Platz wiederfinden.

Ein sichtlich entspannter Johannes Hummel

Der zuletzt startende und statikerfahrene Johannes Hummel erreichte 06:18min, was ihm in der Zwischenwertung den dritten Platz einbrachte. Statik ist auch die Lieblingsdisziplin des Österreichers Ralph Staudigl, der mit 06:25min seine zweitbeste jemals getauchte Wettkampfzeit erreichte. Auch ich konnte mich freuen, 06:35min reichten mir zur Führung nach der ersten Disziplin.

Bei den Frauen blieb Heike Schwerdtner erwartungsgemäß die Herrin der Lage. Auch wenn es dieses mal kein 6min+ Tauchgang werden sollte, sondern „nur“ für 05:58 reichte, siegte sie doch mit deutlichem Vorsprung vor der zweitplatzierten Johanna Huebner (05:07) und der beeindruckend auftretenden Newcomerin Kerstin Heil (04:52). 04:49min tauchte die Niederländerin Jamy Schumacher, knapp dahinter kam die Slowenin Saglara Mandzhieva (04:48) nach oben. Eva Mallard blieb 04:40min unter Wasser und damit einige Sekungen länger als Ute Weinrich (04:32) und Svenja Hirschhausen (04:24). Svenja musste allerdings ärgerliche Minuspunkte mit ins Ranking nehmen. Sie hatte mit einem Announcement von 05:00 min zu hoch gepokert. In der Auswertung wurden ihr die zu diesen fünf Minuten fehlenden 36 Sekunden von ihrer tatsächlich erreichten Zeit abgezogen. Auch Susanna Dietz erreichte mit 04:18min ein tolles Ergebnis. Anna-Lisa Schura schaffte es 03:39min den Kopf unten zu halten, die Newcomerin Lotte Stauch 03:03min, Diana Arango kam auf 02:22 min. Damit erreichten neun von den zwölf bei Statik startenden Frauen (Maria Unverricht hatte kurzfristig auf einen Start verzichtet) Ergebnisse oberhalb der schon sehr respektablen 4-Minutenmarke – ein toller Wettkampf bei den Damen mit 11 weißen, einer gelben und keiner roten Karte.

Danach folgte eine längere Pause, die die meisten der ausgehungerten Starter sicherlich zuerst – leicht und schnell Verdauliches – essend und dann sich ausruhend verbrachten. Auch für das Streckentauchen ist kein voller Magen, wohl aber gut gefüllte Energiespeicher sinnvoll. Von der reich gedeckten Tafel, die allen am Wettkampf Beteiligten zur Verfügung stand, bediente sich der tauchende Teil der Anwesenden zunächst vorrangig bei den Bananen – die richtigen Leckereien mussten also auch vor DYN noch etwas warten.

Am frühen Nachmittag ging es dann mit den Streckentauchdisziplinen weiter. Hier starteten immer zwei Freitaucher/innen zur gleichen Zeit auf den Außenbahnen. 2 Meter zurückgelegte Strecke entsprechen einem Punkt, egal, ob die Distanz in der Disziplin mit (DYN) oder ohne Flossen (DNF) getaucht wird. Eine Bahn im kleinen Becken (25 Meter) sind demnach 12,5 Punkte. Es waren in Wiesbaden deutlich mehr Athleten mit Flossen am Start, die no-fins Taucher habe ich mit (DNF) gekennzeichnet. Die Tauchgänge von Volkmar Körner (112m) und Carlo Weller (83m DNF) endeten leider mit Disqualifikation. Carlo hatte es bei seinem Oberflächenprotokoll versäumt, neben dem Noseclip auch die Maske zu entfernen, Volkmar hatte seine Grenzen in dem Tauchgang ein wenig zu sehr ausgereizt, so dass auch er den Tauchgang nicht mehr mit sauberem Protokoll abzuschließen in der Lage war. Ansonsten gab es weiße Karten und gerade bei den Neulingen tolle Weiten zu bewundern: Nico Storch´s Tauchgang endete nach 45m, Thomas Ehresmann kam 59m weit. Alexander Mesch schaffte es ohne Flossen auf 65m, er belohnte sich dafür mit dem dritten Platz in der Newcomerwertung. Die Ehre des zweiten Platzes bei den Newcomern hätte eigentlich Ingo Bartling zuteil werden müssen. Aufgrund einer Kommunikationspanne war er den Veranstaltern nicht als Newcomer gelistet. Doch auch er war zum ersten Mal auf einem Wettkampf und tauchte gleich beachtliche 82m (DNF) – zusammen mit seiner soliden Statik-Performance war das ein wirklich beachtlicher Einstand. Herzlichen Glückwunsch Ingo – mit dir wird noch zu rechnen sein und wir werden dich auf dem Schirm haben. Florian Bach teilte sich mit Hans-Jürgen Lenzen die gleiche Weite von 75m. Julian Jansen van Rensburg wollte nach der Roten Karte in STA auf jeden Fall mit Weiß abschließen, er entschied sich mit 81m (DNF) für einen sicheren Tauchgang, im Training taucht er mittlerweile 10 Meter weiter. Mike Börner brachte es ebenfalls in DNF auf 93m – es wurde am Ende ein toller 10. Platz für ihn. Johannes Hummel kam auf 95m, was mit dem starken Ergebnis in STA für den 7. Platz im Gesamtklassement reichen sollte. Alexander Settle tauchte mit 100m glatte viermal durch das Becken des Kleinfeldchens. Er wurde damit Sieger bei den Newcomern – Herzlichen Glückwunsch Alexander! Das Pech blieb an Fernando Iscar Rüland leider weiter haften. Für viele sind die von Fernando gezeigten 105m DNF mehr als nur eine stolze Hausnummer, er taucht sonst aber auch schon über 140m. In der Annahme, dass es beim Rhein Main Cup auch Wertungen für die Einzeldisziplinen gäbe, sah er seinen Soll erfüllt an und kam nach oben. Günther Lemberger zeigte mit 111m erneut eine starke Leistung und freute sich am Ende über einen 9. Platz im Ranking.

Der Österreicher Ralph Staudigl

Ralph Staudigl tauchte für ihn sehr gute 114m, die allerdings nicht reichten, seine beeindruckende Statik-Platzierung halten zu können. Es wurde trotzdem ein toller 5. Platz für den sympathischen Wiener. Wie im Vorjahr wurde es für Helmut Krupp ein starker 4. Platz im Gesamtranking, in DYN erreichte er dieses Mal 122m. Sven Abels tauchte mit 125m knapp weiter, zusammen mit seinem guten Statikergebnis brachte ihm das den 6. Platz im Gesamtklassement ein. Arnd Steckenborn tauchte mit 153m die drittweiteste Distanz des Tages, am Ende freute er sich über seinen phantastischen 2. Platz im Gesamtranking. Durch eine neue persönliche Bestleistung rutschte der erst seit 2 Monaten mit Monoflosse tauchende Marius Nogueras mit der zweitbesten Weite von 155m auf den 7. Platz im Ranking vor.

Die Gesamtsieger der Herren: 3. Platz Erik de Jong (links), 2. Platz Arnd Steckenborn (rechts), 1. Platz Florian Grauer (Mitte)

Die weiteste Strecke des Tages tauchte der Niederländer Erik de Jong – mit seinen 158m DYN machte er im Ranking einen Satz vom 7. Platz nach STA auf das Treppchen, er wurde Dritter beim RMC. Ich entschied mich für einen sicheren Tauchgang – die erstmalige Chance auf einen Gesamtsieg bei einem Wettkampf war dann doch zu verlockend. Bei der WM vor zwei Monaten hatte ich es mit Bifins schon auf 175 Meter gebracht, allerdings ohne vorher Statik getaucht zu sein. In Wiesbaden zahlte es sich für mich aus, mit 112m die weiteste Distanz gemeldet zu haben. So konnte ich den Tauchgang des direkt vor mir startenden Erik de Jong anschauen (von dem ich wusste, dass er auch schon über 200m getaucht ist) und überschlagen, was ich ungefähr tauchen musste, damit es für mich reicht. Da ich den besser platzierten Arnd Steckenborn in meiner Aufregung gar nicht auf der Rechnung hatte, bin ich froh, mit 139 Metern noch einen kleinen Puffer eingebaut zu haben.

Bei den Damen tauchten Diana Arango und Lotte Stauch beide 55m, am Ende sollte das für Diana den 11., für Lotte den 9. Platz bedeuten. Anna-Lisa Schura tauchte dreimal durch das Becken und kam somit auf runde 75m, sie wurde im Gesamtklassement 8. Svenja Hirschhausen brachte es auf starke 82m (DNF), damit wurde sie 7. Eva Mallard tauchte 104m, was ihr nach ihrer guten Vorlage in STA den 5. Platz im Ranking einbrachte. Maria Unverricht ist mit 136m (DNF) schon deutsche Rekordweite getaucht, heute wurden es 109m. Susanne Dietz schaffte ebenfalls 109m, im Gegensatz zu Maria hatte sie aber eine Wertung in der ersten Disziplin vorzuweisen und wurde Sechste. Kerstin Heil kam auf 112m, sie freute sich später über einen tollen 4. Platz im Ranking. Johanna Huebner tauchte beeindruckende 125m, was ihr in Addition mit den vielen Punkten ihres Fünf-Minuten-Tauchganges des zweiten Platz im Gesamtranking einbrachte. Die Niederländerin Jamy Schumacher tauchte zwar mit 126m einen Meter weiter, das reichte aber nicht, die fehlenden Punkte aus Statik aufzuholen – damit wurde sie Dritte. Heike Schwerdtner tauchte heute in einer Liga für sich und verteidigte ihre Führung auch in der zweiten Disziplin souverän. Sie wiederholte ihre im großen Becken bei der WM gezeigten 150m auch auf der Wiesbadener 25m-Strecke – kein leichtes Unterfangen wenn man bedenkt, wie kraftaufreibend und technisch anspruchsvoll Wenden mit der Monoflosse sind. Saglara Mandzhieva tauchte mit 96m zwar persönliche Bestweite, aber über den kritischen Punkt hinaus. Aufgrund eines fehlerhaften Protokolls bekam sie rot. Mit einem Blackout endete leider der Tauchgang der Bi-Fins-Veteranin Ute Weinrich. 119 Meter sind für sie eigentlich keine Distanz, allerdings fand sie in den letzten Monaten kaum Zeit für Training.

Die Gesamtsiegerinnen: 3. Platz Jamy Schumacher (rechts), 2. Platz Johanna Huebner (links), 1. Platz Heike Schwerdtner (Mitte)

 

Damit war der Wettkampfteil des Rhein Main Cup abgeschlossen. Im Schwimmbad folgte dann eine sehr bewegende Abschiedszeremonie für Willi. Diese wurde von Michael Nedwed mit einer Rede eingeleitet, danach folgte ein sehr passend musikalisch untermaltes und schön zusammengeschnittenes Video mit Bildern und Wettkampfeindrücken, die in Willis Freunden und Bekannten noch einmal viele schöne Erinnerungen an gemeinsame Momente und Erfolge aufleben ließen und denen, die nicht die Chance hatten, ihn persönlich kennenzulernen, zumindest einen kleinen Eindruck verschafften, was für ein Mensch und Sportler Willi gewesen ist. Spätestens mit Teilnahme an dieser Zeremonie wurde mir und anderen klar, wie wichtig es war, dass dieser Wettkampf stattgefunden hat und wie richtig, selbst daran teilgenommen zu haben. Ich bin sicher, dass es Willi sich genauso vorgestellt und sich für uns und den Weitergang des Sports gewünscht hätte. Es waren schmerzliche Blicke zurück, doch diese verstellten uns nicht den nach vorne. Viele von uns werden sich Willi immer erinnern. Aber es wird weiter gehen, auch ohne Willi, und mit der Wahl von Maria Unverricht zur neuen zweiten Vorsitzenden übernimmt jemand seine Aufgaben, die sich mit der gleichen Leidenschaft für die Weiterentwicklung und Repräsentation des Apnoetauchens in Deutschland einzubringen in der Lage ist.

So schön fühlen sich weiße Karten an!

Ausklang nahm der Samstag bei einem gemeinsamen Buffet in einem thailändischen Restaurant, dort wurden auch die Sieger gekürt. Der Rhein Main Cup war Werbung für den Sport. Wenn man die Freude der Newcomer über ihre Resultate im Becken, später über ihre Auszeichnungen auf der im Restaurant stattfindenen Preisverleihung sehen konnte, kann man sicher sein, dass es für sie nicht der letzte Wettkampf gewesen sein wird. Es war eine Freude zu sehen, mit welchem Engagement, mit welchem Spaß und mit welcher Leidenschaft die vielen freiwilligen Helfer ihren vielen verschiedenen Aufgaben nachkamen.Vielen Dank auch im Namen von AIDA-Deutschland an alle, die mitgemacht haben, egal ob es das Judgen, das Backen von Kuchen oder das verantwortungsvolle Sichern der Athleten war. Großer Dank gilt auch den beiden Photographen Robert Stryx und Uwe Kiehl, die mit ihren tollen Fotos dazu beigetragen haben, dass dieser Tag uns lange im Gedächtnis bleiben wird. Liebe Wiesbadener und alle anderen Helfer die sich angesprochen fühlen dürfen – ihr habt an diesem Wochenende wirklich etwas Besonderes auf die Beine gestellt. Viele werden sich freuen, wenn wir uns nächsten Oktober im Kleinfeldchen wieder sehen dürfen.

Für AIDA-Deutschland, euer Florian       –

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