Erster Platz in der Team-Gesamtwertung beim Riga Freediving Cup 2019

Der Riga Freediving Cup feierte am vergangenen Wochenende sein zehnjähriges Bestehen, und das kommt nicht von Ungefähr. Er ist bei Athletinnen und Athleten äußerst beliebt und in der Regel in wenigen Stunden ausgebucht, er ist professionell organisiert und zieht auch Sportler der Weltspitze an. Trotz der hochkarätigen Konkurrenz sollte es bei der Jubiläumsveranstaltung auch für AIDA-Deutschland Startende einige Gründe zur Freude geben. Es gingen dieses Jahr 49 Athletinnen und Athleten aus 12 unterschiedlichen Ländern an den Start, AIDA-D war mit insgesamt sechs Startern und Starterinnen gut vertreten:

die Stuttgarterin Barbara Jeschke, die bereits beim ersten Wettkampf in Riga mit dabei war und die als die seitdem am häufigsten am Cup Teilnehmende eine besondere Ehrung erhalten sollte, die beiden Düsseldorfer Trainingspartner Fernando Iscar Rüland und Sven Abels sowie die drei Berliner/innen Marius Nogueras, Florian Grauer und Maria Unverricht.


Neben Einzeltiteln in den Disziplinen STA, DNF und DYN ist das traditionelle Highlight der Veranstaltung die Teamwertung. Letztes Jahr machte eine unglückliche Disqualifikation im letzten Tauchgang einem möglichen dritten Platz auf dem Podium für Barbara, Maria und Florian noch einen Strich durch die Rechnung. Dieses Jahr wurde das Team TCB Unicorns von Maria, Sven und Florian gebildet, die Weste blieb diesmal weiß und auch unsere Gesichter sollten am Ende strahlen.

Der Wettkampf begann am Samstag mit der Statik-Disziplin. In dem brühwarmen Kinderbecken starteten die meisten mit dünnem Anzug. Maria tauchte von den AIDA-D-Mitgliedern als erste, sie kam mit 04:50 min Ihrer persönlichen Bestleistung recht nahe. Ich hatte leider auf das falsche Equipment gesetzt. Coach Fernando bemühte sich zwar redlich, mir während des Tauchgangs immer wieder beim Fluten des viel zu dicken 5mm-Anzugs zu helfen, doch nach 06:10 min wurden die Hitzewallungen einfach zu unangenehm und ich musste hoch. Toll lief es für Marius. Eigentlich mag er die Disziplin Statik nicht besonders – in Riga war davon aber nichts zu spüren: Erst nach 05:07min war der Tauchgang für ihn mit weißer Karte vorbei – er verbesserte damit seine bisherige Bestleistung deutlich. Bei Barbara, die mit ihrem Tauchgang nicht sonderlich zufrieden war, reichte es für 04:11 min. Sven und Fernando hatten beide mit Announcements von 05:13 und 5 min sehr hoch gepokert. Während Sven dem Druck standhielt, die eigene Vorgabe übertreffen konnte und mit 05:44 min ein für die Bedingungen sehr respektables Ergebnis erzielte, lief der Einstieg in den Wettkampf für den 6-Minten-Taucher Fernando weniger gut. Er fand überhaupt nicht in den Tauchgang und brach diesen vorzeitig nach 03:36 min ab. Nach einem Blick auf die Ergebnislisten musste das Team TCB Unicorns ein wenig ungläubig aber erfreut feststellen, dass die von Maria, Sven und mir getauchten Zeiten und erreichten Punkte die Führung im Wettbewerb der 13 um die Trophäe streitenden Teams bedeuteten. Bezogen auf die Statik-Ergebnisse konnten sich im Übrigen die Männer sehr glücklich schätzen, dass es auch eine geschlechtsspezifische Wertung gab, drei der vier vorderen Plätze gingen nämlich an die Frauen. Den ersten Platz erreichte Agnieska Kalska mit polnischem Nationalrekord (07:02), auf den Plätzen folgten die Britin Georgina Miller (06:36) und der Schwede Tomas Jonsson (06:34).

Am Nachmittag stand das Streckentauchen ohne Flossen auf dem Programm. Ich hatte von den AIDA-D-Tauchern mit 75m die niedrigste Vorgabe angegeben und kam mit einer Weite von 131m wenige Meter an meine Bestleistung heran. Es folgten Marius und Maria (die es sich eigentlich zur Angewohnheit gemacht hat, auf meine Weiten immer einen Meter draufzulegen) mit Ergebnissen von 109 bzw. 125m. Marias 125m reichten ihr für einen tollen zweiten Platz hinter Agnieska Kalska (167m) und Hannah Kryvoruchko aus der Ukraine (119m). Barbara tauchte für sie sehr gute 88m. Sven sicherte mit seinem Tauchgang auf 100m dann wie schon in der STA-Disziplin die dritte weiße Karte für die Teamwertung. Fernando startete als letzter in seine Paradedisziplin, glücklicherweise schien er die Enttäuschung des Vormittags gut verdaut zu haben.

Bestechend entspannt tauchte er mit einer tollen Weite von 144m auf das Treppchen, er wurde in der Disziplin Dritter hinter dem Finnen Kristian Mäki-Jussila (171m) und dem stark auftrumpfenden Competition-Neuling aus Lettland Antons Rjabuha (159m). Als die Ergebnislisten veröffentlicht wurden, war das Staunen nicht weniger groß als nach der ersten Disziplin. Auch DNF ging an das Team der TCB Unicorns, sollte sich hier vielleicht eine kleine Sensation anbahnen?

Am nächsten Tag ging es zu der Abschlussdisziplin ins große 50m-Becken. Dass auch solche manchmal nicht lang genug sein können, sollte ich bald schmerzvoll erfahren. Fernando konnte leider den Schwung seines DNF-Tauchgangs nicht in die Abschlussdisziplin hinüber retten. Mit 100m blieb er weit hinter seinen Möglichkeiten und war darüber so frustriert, dass er nach dem Auftauchen nur widerwillig von seinem Coach zum Ableisten des Oberflächenprotokolls überredet werden konnte. Aber auch schwächere Tauchgänge bedeuten Punkte, die man nicht verschenken sollte. Ich hatte eine Woche vor der Veranstaltung meine Announced Performance für meinen Tauchgang mit Bifins von 110m auf 105m gesenkt, um sicherzugehen, dass jemand aus dem Team auch am Rand stehen könnte. Ich hatte vor, deutlich weiter zu tauchen – leider gab das das Becken nicht mehr her, und so knallte ich – wohl etwas zu tiefenentspannt und der zunehmenden Sauerstoffarmut geschuldet auch ein wenig unaufmerksam, deutlich hörbar auf meiner dritten Bahn mit dem Kopf voran in die Wand. Das Protokoll konnte ich ein wenig irritiert, aber sauber abschließen, was den 2. Platz in der Bifins-Wertung bedeutete. Antons Rjabuha tauchte mit Nationalrekord zwar die gleiche Strecke wie ich (150m), hatte aber mit 110m die höhere Weite angegeben, was seine Erstplatzierung zur Folge hatte. Da die Bifins-Regeln noch jung sind, konnte sich der Veranstalter nicht mehr entsprechend darauf einstellen, und so wurde die Disziplin nur als Unterkategorie der Dynamik-Disziplin behandelt – Preise bekamen wir also beide nicht dafür – ich durfte mich immerhin an einer echten Unicorn-Beule erfreuen. Barbara tauchte danach starke 137m. Sven, der den vorletzten Tauchgang für die Teamwertung absolvieren sollte, hatte sich viel vorgenommen, 150m+ mit der Monoflosse sollten es schon werden. Der Tauchgang gestaltete sich dann schwieriger als angenommen, und so tat er das einzig richtige. Sauber beendete er den Tauchgang bei 131m und sammelte so weitere wichtige Punkte, anstatt für das individuell gesteckte, aber an diesem Tag wohl unrealistische Ziel eventuell zu viel zu riskieren.

Marius, der regelmäßig 150m-Tauchgänge im Training absolviert, musste zunächst ein wenig mit sich hadern, dass er seinen Versuch „nur“ auf 152m brachte. Den entscheidenden Tauchgang machte dann Maria, und diesmal gab es keine unglückliche Disqualifikation wie im letzten Jahr. Auch sie ging auf Nummer sicher, tauchte 155m und sorgte für die 9. von 9 möglichen weißen Karten für die Team-Gesamtwertung. Auf deren Veröffentlichung mussten wir dann tatsächlich sehr gespannt bis zur Siegerehrung warten.

Am Ende sollte es für den im Vorfeld nicht mal zu Hoffen gewagten, aber letzlich nicht unverdienten Gesamtsieg gereicht haben, da wir auch in der Abschlussdisziplin in der Summe am besten abschnitten und unseren Vorsprung sogar noch einmal ausbauen konnten. Maria wurde dann auch noch als dritte der Gesamtwertung bei den Frauen ausgezeichnet, Barbara schaffte es mit ihrem 10. Platz ebenfalls in die Top 10. Bei den Männern konnte ich mich über einen 5. Platz freuen, Marius wurde 10., Sven freute sich über seinen 14. Platz, für Fernando reichte es mit einem sehr guten, einem rot gewerteten (STA) und einem eher verkorksten Tauchgang nur zu Platz 23. Trotzdem waren wir am Ende alle sehr zufrieden mit dem Erreichten und hoffen, auch nächstes Jahr wieder einen Startplatz in der wohl begehrtesten Pool-Competition Europas ergattern zu können.

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