Drei deutsche Seerekorde durch Jennifer Wendland und Tolga Taskin

AIDA-Deutschland beglückwünscht Jennifer Wendland und Tolga Taskin zu insgesamt drei neuen Nationalrekorden. Am 4. Mai.2019 stellten sich Jennifer und Tolga in einem gemeinsam organisierten Event am Kreidesee Hemmoor trotz widriger Bedingungen der Herausforderung, sich in verschiedenen Tieftauchdisziplinen mit neuen Bestleistungen in die Rekordhistorie von AIDA Deutschland einzutragen. Der Hamburger Freitauchlehrer Tolga Taskin tat dies mit seinem erfolgreichen Tauchgang auf 56m in der Disziplin Tieftauchen mit Stereoflossen (Contant Weight Bifins), die nach ihm startende Essenerin Jennifer Wendland war sogar gleich zweimal erfolgreich. Zunächst schraubte sie die Bestleistung in der Disziplin Free Immersion auf 56m, kurze Zeit danach gelang es ihr trotz Sturm und Hagel auch noch, einen erfolgreichen Tauchgang in CNF (Constant No Fins) auf 40m zu absolvieren.

Tolga, du bist mittlerweile ein erfahrener Freitauchlehrer – wie bist du zu dem Sport gekommen?

Ich bin mit dem Freitauchen aufgewachsen. Schon in der frühen Kindheit durfte ich das Tauchen mit einem Atemzug erkunden, da ich aufgrund meiner familiären Wurzeln viele Sommer bei meinen türkischen Großeltern am Meer verbracht habe. Ich hatte in meinem Leben schon immer das Bedürfnis, in allen Bereichen wo Leidenschaft im Spiel ist, diese weiterzugeben, weshalb ich 2016 eine Ausbildung zum Instruktor gemacht habe.

Ein sichtlich zufriedener frisch gebackener Rekordhalter

Wettkämpfe fielen bislang nicht in dein Metier – wie und wann kam dir die Idee, dich an einen Rekordversuch zu wagen und wie kam es zu der Koordination deines und Jennifers Vorhaben?

Bisher habe ich meine Grenzen, mit viel Zeit, Spaß und Entspannung, lediglich mit meinen langjährigen Buddys ausgelotet. Meine Leidenschaft liegt ganz klar im Freiwasser, in der Faszination und der Neugierde auf die Tiefe. Das ist wohl auch das, was Jenny und mich verbindet. Sie ist meiner Meinung nach die talentierteste Athletin in Deutschland und übertrifft sogar die tiefsten Rekorde der Männer. Wir sind im positiven Sinne in unserem Wesen sehr unterschiedlich, ergänzen uns aber sehr gut. Sie ist nicht nur eine unglaublich konsequente, strukturierte und fokussierte Athletin sondern zusätzlich noch empathisch, auf dem Boden geblieben und ständig bereit Ihr Wissen zu teilen. Dafür bewundere ich sie sehr und konnte gleichzeitig viel von ihr lernen. Ich bin dankbar, dass sie mit dabei war.

Du bist mit deinen Schülern viel in heimischen Gewässern unterwegs, kennst dich also mit der Kälte und Dunkelheit der deutschen Seen gut aus. Können wir in Zukunft auch in anderen Disziplinen oder auch wärmeren Gewässern noch mit dir rechnen?

Die meisten Wettkämpfe, zumindest die in Deutschland, sind Pool Competitions und reizen mich nicht sonderlich. Aber ich muss sagen, dass mir der Gedanke, an Pool Meisterschaften teilzunehmen, nicht mehr ganz so fremd ist wie noch vor ein paar Monaten. Mein Rekord, obwohl er im Freiwasser stattfand, hat mich etwas auf den Geschmack gebracht. Also, vielleicht in der Zukunft – let’s see!

Freediving ist meine ultimative Leidenschaft. Aber ich habe auch einen sehr ehrgeizige Seite. Im Moment versuche ich, die Leidenschaft und die Competition in Einklang zu bringen – garnicht so einfach. Der Traum vom Rekord war schon immer da. Seit einigen Monaten tauche ich mit dem Schlitten und ich liebe es. Während des Trainings habe ich festgestellt, dass der Bifins Rekord „nebenbei“ machbar ist und ich so schon einmal einen Eindruck davon bekommen kann, wie es ist einen Rekord zu tauchen. Ich hatte natürlich bisher gar keine Erfahrung mit der Organisation von Rekorden. Alles Neuland. Als Autodidakt, der gerne einfach ausprobiert und auch mal damit auf die Fresse fliegt, habe ich aber einfach alles in die Hand genommen, ohne Vorerfahrung, und alles so gut wie möglich selbst organisiert. Am Ende fügt sich dann meistens doch alles und so konnte ich wieder Erfahrungen sammeln, die mir sonst verwehrt geblieben wären! Ich habe zum Glück auch viele Menschen in meinem Umfeld, die mich dabei unterstützt haben. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Mit deinem 56m-Tauchgang hast Du die Gegebenheiten des Kreidesees voll ausgereizt. War deine unsanfte Begegnung von Kopf und Seegrund deine Art zu sagen, dass der See für dich und dein Rekordunterfangen ruhig noch ein gutes Stück tiefer hätte sein können?

Ich werde mich jetzt erstmal wieder auf den Schlitten schwingen und in die Tiefe rauschen, denn darin liegt gerade der besondere Reiz für mich. Bei dem Gedanken bekomme ich Gänsehaut. Das Tauchen mit dem Schlitten ist für mich die intensivste Art und Weise zu freediven. Tiefe und Dunkelheit in Kombination mit dem starken Tauchreflex. Ich liebe es. Die Zeit wird zeigen, ob ich noch weitere Rekorde versuchen werde. Ich möchte das erst entscheiden, wenn ich mich dazu bereit fühle.

Es war für mich ein riesiger Unterschied, während des Rekordversuchs auf 60 Metern zu tauchen; ein krasser Gegensatz zu dem Gefühl, dass ich sonst im Training hatte. Der Tauchgang selbst hat mich keineswegs an meine physischen Grenzen gebracht. Ich muss jedoch an der mentalen Ebene arbeiten. Am Ende war alles gut so wie es ist, wobei es auch nicht geschadet hätte, wenn der See ein paar Meter tiefer gewesen wäre – haha.

Tolga Taskin bei seinem erfolgreichen Versuch in der Disziplin CWT-Bifins

Jennifer, man kennt dich in der Freitauchszene vor allem für deine mittlerweile umfangreiche Liste an Deutschen Rekorden für das Tieftauchen im Meer. Kannst Du beschreiben, was das Tieftauchen im See von dem im Meer unterscheidet?

Der Ablauf der Tauchgänge ist für mich im Meer und im See völlig identisch, aber das Gefühl ist ein ganz anderes. Im See ist es kalt, dunkler und stiller. Tatsächlich konnte ich mich im See sehr gut entspannen, bis mir kalt wurde.

Jennifer Wendland auf dem Weg nach oben in der Disziplin Free Immersion

Du hast deine beiden erfolgreichen Rekordversuche innerhalb weniger Minuten absolviert. Mental und physisch kann man sich das nur als sehr herausfordernd vorstellen? Worauf hast Du deinen Fokus gelegt, vor und zwischen den Tauchgängen? War dir einer der beiden Versuche der wichtigere und welcher war die größere Herausforderung?

Mir war von Beginn an klar, dass die Kälte mein größter Feind sein würde. Im Training in Ägypten hatte ich die Rekorde mit dem gleichen Timing und der gleichen Ausrüstung, also mit dickem Anzug, Handschuhen und Socken, bereits getestet. Das hat sehr gut geklappt. Eigentlich sollten es ja auch drei Rekorde werden. FIM zuerst, weil wir das Seil so nach Tolgas Tauchgang einfach auf der gleichen Tiefe lassen könnten. Wir sind ja beider 56m getaucht. Danach habe ich CNF gemacht, in der Hoffnung dabei etwas warm zu werden. Da ich aber während eines Schneeregenschauers meine kurzen Tauchpausen hatte, war mir dann trotzdem so kalt, dass ich den dritten Rekord mit Bifins nicht mehr versucht habe. Das war mir zu gefährlich. In den Pausen lag mein Fokus lediglich drauf warm zu werden. Ich habe auf dem Tretboot Kniebeugen gemacht und wollte mir warmes Wasser in den Anzug gießen. Aber durch die Verzögerungen in der Organisation war das Wasser leider auch schon kalt.

Jennifer auf den letzten Metern ihres erfolgreichen CNF-Tauchganges

Für deine Rekordversuche im Roten Meer hattest du dich akribisch und für längere Zeit vor Ort vorbereitet? Wie sah deine Vorbereitung auf die Seetauchgänge aus?

Auf den See habe ich mich in Ägypten in sofern vorbereitet, dass ich bereits die Ausrüstung für den See genutzt habe. CNF oder FIM fühlen sich mit Handschuhen schon seltsam an. Im See selbst habe ich dann in den Tagen vorher zwei Mal trainiert, um mich mit der Kälte anzufreunden und die richtige Bleimenge zu finden. Im Süßwasser braucht man ja deutlich weniger davon.

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