Im Kurzinterview: Anna und Arnd, zwei deutsche Teilnehmer der diesjährigen Tiefen-WM in Nizza

Wo warst Du das erste mal Freitauchen?

ANNA: In einer kleinen Bucht in Griechenland. Wir waren auf einem Segelboot unterwegs und mein Bruder hatte aus Versehen mit dem Abwaschwasser das Besteck über Bord gekippt – ich war die einzige von uns, die runtertauchen konnte und habe es hochgeholt, aus 16m Tiefe. 

ARND: Es muss wohl in einem Schwimmbad gewesen sein. Bei der Prüfung zum Seepferdchen. Man muss ja diesen einen Ring vom Boden holen.

Was fasziniert Dich daran?

ANNA: Ich bin lange und sehr extrem mit Gerät getaucht und habe das auch sehr geliebt. Das Freitauchen ist für mich eine weitere Art, die Unterwasserwelt zu erkunden. Ich mag daran besonders die mentale und körperliche Herausforderung und zu erleben, wie sehr ich Körper und Geist an die Unterwasserwelt anpassen kann. 

ARND: Ich mag einfach Wasser. Und die Kombination aus körperlicher und mentaler Herausforderung im Wasser macht diese Sportart für mich einzigartig.

Hast Du eine Lieblingsdisziplin?

ANNA: Ich mag am liebsten konstantes Gewicht – mit der Monoflosse komme ich aus eigener Kraft am tiefsten herunter. Schlittentauchen macht mir aber auch viel Spaß!

ARND: Ja. Aber die ändert sich ab und an. Aktuell tauche ich gerne „Free Immersion“, also ohne Flossen und nur mit den Händen am Seil. Aber auch das Tauchen mit der Monoflosse und mit konstantem Gewicht mach mir viel Spaß.

Was magst Du beim Freitauchen gar nicht?

ANNA: Mich nervt total, daß ich immer so früh Kontraktionen bekomme. Manchmal denke ich wirklich: warum machst Du das? Kannst Du nicht einfach am Strand liegen wie normale Menschen? Aber dann muß ich doch wieder ins Wasser. 

ARND: Es gibt diesen einen Moment, wenn man zum ersten Mal am Tag ins kalte Wasser geht. Daran gewöhne ich mich vermutlich nie.

Welcher Wunsch ist für Dich beim Freitauchen schon in Erfüllung gegangen und welcher ist noch offen?

ANNA: Ich habe mit einem Atemzug 100m erreicht und Orcas, Haie und Millionen von Fischen gesehen. Die Unterwasserwelt so intensiv mit nur einem Atemzug zu erleben ist schon besonders. Ich möchte noch an vielen Orten dieser Welt tauchen – z.B. in der Silfra Spalte in Island. 

ARND: Das erste Mal die sog. „Arch“ – das ist ein Unterwasserbogen auf etwas mehr als 50m Tiefe am Blue Hole in Dahab – mit einem Atemzug zu sehen war ein Wunsch, der sich erfüllt hat. Im Moment wünsche ich mir eine neue persönliche Bestleistung im Tieftauchen an. Darauf arbeite ich entsprechend engagiert hin. Ich bin gespannt, ob es gelingen wird.

Erzähl uns Dein Ernährungsgeheimnis – was ißt Du am liebsten vor dem Tauchen?

ANNA: Ich funktioniere am besten wenn ich meinen Haferbrei mit einer halben Banane und etwas Joghurt hatte, etwa drei Stunden vor dem Tauchgang. Manchmal habe ich es aber satt, dann gehen auch Cornflakes, Ricecrispies oder einfach Toast. Oder aber einfach nur Kaffee!

ARND: Am Vorabend esse ich meist Spaghetti Bolognese. Weniger aus ernährungstechnischen Gründen, sondern weil ich Spaghetti einfach gerne mag. Am Tauchtag selbst esse ich eher wenig. Ein paar Bananen, einen Tee und ggf. einen oder zwei schnelle Energiespender. 

Hast Du Dir für diese WM etwas Bestimmtes vorgenommen? 

ANNA: Ich würde gerne wieder einmal eine persönliche Bestleistung mit der Monoflosse tauchen und mich wieder weiterentwickeln. Ich hatte jetzt, was die Tiefe betrifft, seit einigen Jahren stillstand da ich nur sehr wenig zum Tauchen gekommen bin – einfach mal wieder tief runter, das wäre also schön!

ARND: Das habe ich. Aber ich möchte das anstehende Training in Kalamata abschließen bevor ich konkrete Zahlen formuliere.

Welche Begegnung mit Tieren im Wasser war für Dich etwas Besonderes?

ANNA: Ich hatte schon einige tolle Begegnungen beim Tauchen, die wohl ungewöhnlichste erst vor kurzem. Bei einer sehr abenteuerlichen Reise in die kanadische Arktis mit Expeditionscharakter begegneten wir einer jungen Eisbärin, die zwischen den Eisschollen schwamm. Nachdem wir drei Stunden mit ihr verbracht hatten, um sie kennen zu lernen und an uns zu gewöhnen, gingen wir ins Wasser. Sie schwamm ganz ruhig an uns vorbei – ein einmalig schönes Erlebnis.

ARND: Ich trainiere häufig in einem See mit relativ vielen Welsen. Ab und zu kommen einige davon an die Boje und schwimmen um das Seil herum. Das ist dann immer etwas Besonderes. Insbesondere auch, da Welse durchaus groß werden können und meist wenig davon halten, auftauchenden Freitauchern Platz zu machen…   

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