Authentic Big Blue 2019 in Amorgos

Heinz Kirschner
Photo: Michael Kaziales

Heinz: Jeder, zumindest jeder, der auch nur irgendwas mit dem Tauchsport generell zu tun hat, dürfte den Film „Im Rausch der Tiefe“ oder „The Big Blue“ von Luc Besson kennen.
Jean-Marc Barr und Jean Reno spielen darin in Anlehnung an die Biografien der berühmten Taucher Jaques Mayol und Enzo Maiorca die Hauptrollen und jagen sich gegenseitig Rekord um Rekord ab.
Letztes Jahr hatte der Film sein 30 Jähriges Jubiläum seit seiner Erstvorführung in den 80ern. Entscheidende Szenen wurden hier auf Amorgos gedreht und zumindest mir hatten sich diese so tief ins Gedächtnis eingebrannt, das „Apnoetauchen“ für mich quasi untrennbar mit dem Gefühl, mit den Emotionen, die einem auch dieser Film ein wenig mit seiner wundervollen Bildersprache vermittelte, verbunden war.

In Anlehnung an diesen Film wurde nun hier, exakt am Originalschauplatz von damals, schon zum dritten Mal von den Veranstaltern Vivi Draka und Dimitris Koumoulos ein internationaler Tieftauchwettkampf organisiert. Eine schlaue und nur allzu nachvollziehbare Idee…
Denn wo sonst sollte sich dieses Gefühl besser erleben lassen als hier, an eben jenem Ort, wo mit dem Film für so viele gewissermaßen „alles anfing“? Wenigstens meine Motivation hierher zukommen war durchaus auch davon geprägt, einmal genau wie Jacques und Enzo hier tauchen zu wollen.
Und so kamen nun schon zum dritten Mal Freediver der ganzen Welt hier zusammen, um sich hier wie vor 30 Jahren miteinander zu messen und in dem wundervollen „Big Blue“ zu tauchen.
Das Meer ist dort übrigens wirklich, das sah ich mich bei fast jeder Gelegenheit und voller Faszination schier gezwungen zu verkünden, noch blauer, als ich es mir auch nur jemals vorstellen hätte können – und ich kann mir eine Menge vorstellen!
Widersprochen hat mir diesbezüglich nie jemand…


Moni: Einmal an diesem legendären Ort zu tauchen ist ein ganz besonderes Erlebnis!
Natürlich ist es schön, dieses mit Freunden zu teilen, deswegen haben Heinz und ich geplant, dieses Jahr teilzunehmen. Da ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte, war ich 2 Wochen vorher auf Zakynthos zum Training, Eigentlich müsste man wenigstens 2 Monate vorher haben, aber das war zeitlich einfach nicht möglich zu organisieren. Auch Heinz hat hier einen Kaltstart hingelegt… gerade mal einen Trainingstag vor der Competition konnte er mit machen, die übrigen 2 Tage hatte es so schlechte Wetterbedingungen, dass ein weiteres Training unmöglich war.
Während der Competition hatten wir super Bedingungen, nur zweimal mussten wir auf einen anderen, etwas geschützteren Tauchplatz mit etwas weniger Tiefe ( nur -80m !!! ) ausweichen.
Für uns beide auf jeden Fall genug!
Heinz und ich sind in CWT, CNF und FIM gestartet und konnten uns beide über PB´s ( Personal Bests) und weiße Karten freuen!


Heinz: Der erste Wettkampf Tag – ich hatte FIM am Vorabend announced – begann mit einem eher miserablen Warmup, was sich kurzzeitig so anfühlte, als ob das heute gar nix mehr werden würde. Doch ich konnte mich schließlich trotz Aufregung und frieren zu meiner Zieltiefe von immerhin 45m hinunter und auch wieder hinauf ziehen am Seil.
Als ich dann endlich unten war und mein Tag in der Hand hielt, da wusste ich, jetzt krieg ich´s hin!
Aber mehr wäre an dem Tag nicht mehr gegangen…

Moni: Für mich begann der erste Wettkampftag nicht gerade optimal: das Mietauto ist nicht angesprungen, ein schneller Sprint noch zum Transferbus, auch meine 2 Warm-ups waren nicht perfekt, aber ich habe mich trotzdem durchgebissen.
53m, Weiße Karte, PB, was will man mehr?


Heinz: Am nächsten Tag hatte ich mich für CWTB entschieden, der neuen Tiefen-Disziplin. Mit schmerzendem Rücken war ich ja hier her gekommen, und daher hatte ich mich entschieden, mit den rückenschonendsten Disziplinen zu beginnen und das für den Rücken anstrengendste, jedoch für mich schönste, CWT mir für den Schluss aufzuheben. Daher wollte ich heute mit meinen BiFins tauchen. Moni hat kurz vor mir in einem für sie recht ermüdenden CNF Tauchgang wirklich überzeugt (36m tief ohne Flossen) und ich bin mit meinen Flossen 42m tief getaucht. Diesmal lief die Vorbereitung etwas besser, ich war weniger lange vorher im Wasser, um nicht so zu frieren, und mit meinen Flossen fühl ich mich eh überall wohl… dann war es irgendwann einfach nur noch wie ein etwas längerer Weg wieder zurück nach oben… bisschen anstrengend, aber ok! White Card! Yippie!!!


Moni: Nächster Wettkampftag leider wieder ganz früh, mein Wetsuit ging am Tag, wo wir Pause machten, kaputt, habe ihn heute mit dem Gürtel fixiert. Heute stand FIM an -47m, 3.weiße Karte, drittes PB, deswegen habe ich mich entschlossen es dabei zu belassen, glücklich das hier alles so wunderbar gelaufen ist. Sicher könnte ich noch tiefer tauchen, fit genug bin ich, jetzt müsste ich noch am Druckausgleich arbeiten und an der Technik. Vielen Dank an Heinz, wir sind ein gutes Team!

Moni und Heinz in Amorgos 2019

Heinz: Am nächsten Wettkampftag sollte es auch bei mir CNF sein.
Das ist für die meisten zunächst die anspruchsvollste Disziplin und auch diejenige, die ich bei uns daheim im See quasi am seltensten trainiere – (ich mag meine Flossen einfach nicht gern ausziehen) von daher hab ich mal eher „konservative“ 36m announced, so wie Moni ja am Vortag. Runter werde ich schon irgendwie kommen… und dann irgendwie auch wieder hoch! So war der Plan.
Aber dann wurde es echt spannend!
Mein Warmup war heut ein echter K(r)ampf: ich wollte ja auch hier schon fürs Gefühl ein paar kräftige Züge CNF machen.
Aber das Ergebnis war nur, das ich beim ersten Vorbereitungs-Tauchgang ganz schnell gedacht habe: „des wird nix!“
Na toll… Wenn der Weg nach unten schon SO ist, wie komm ich dann erst wieder zurück?

Naja. Aber ich wollte mich ja vorbereiten, also noch einen gemacht, diesmal schön langsam am Seil runtergezogen, tiefenentspannt bis auf ca. 30m, und dann ganz in Ruhe wieder hoch.
Hat sich gut angefühlt, und so war ich wieder halbwegs beruhigt wegen der Tiefe und bin rüber zum anderen Boot mit der Competition Leine.
Mein Countdown kam, ich hatte keine Lust mehr auf Experimente und einen Mund voll Wasser, daher Schnorchel Breath-up, alles wie immer, so wie daheim im See.
5 – 4 – 3 – 2 – 1 – Official Top:
Abtauchen, kräftig ziehen, immer wieder, linke Hand zwischendurch zum Druckausgleich an die Nase, denn ich tauchte ja wie gewohnt mit Maske, ( ein paar einarmige Züge waren auch dabei…) dann vorsichtig spüren, ob ich noch falle…

Ich glaub, ich hab noch nie so viel gleichzeitig machen, berücksichtigen und denken müssen beim Tauchen, so kam es mir vor…

Beim Freefall wollte ich mich endlich wieder entspannen… und hab prompt meinen Mouthfill verloren.
Also gut, dann eben nochmal… ich konnte mir noch einen halben Mundvoll Luft hervor „würgen“ um nochmal ausgleichen zu können von ca. 30m bis zur Grundplatte auf 36m. Hat gereicht, ich konnte mein Tag unten abreißen, und ab jetzt war dann erstmal nur richtig „arbeiten“ angesagt… ( des kann ich ja zum Glück ) Nicht mehr denken, nur Gas geben, die Luft hat sogar erstaunlich gut gereicht. Als es dann bei ca. 20m anfing, leichter zu gehen, habe ich mich umgeschaut: welch eine Freunde, alle meine Safety Diver waren da!!! Dann habe ich das Boot über mir betrachtet, das Wasser war super klar, hab noch ein paar lockere Züge gemacht und mich ab 7m genüsslich hoch treiben lassen…
Auch mein Protokoll war ok, Danke an Moni fürs Coaching!
Trotz der Anstrengung war dies der schönste Tauchgang bis jetzt!

Moni: ohne große Erwartungen wollte ich an dem Wettkampf hier auf Amorgos teilnehmen, einfach tauchen im schönsten BLAU der Erde, und nun, 1.Platz in CNF und 5.Platz in der Gesamtwertung, ich bin baff…

Photo: Michael Kaziales

Heinz: Wunderschön war es hier!
Diesen Traum zu leben und auf Jaques und Enzos Spuren zu wandeln, sich mal zu fühlen wie vor 30Jahren im Film „The Big Blue“ , neue Freunde und alte Bekannte zu treffen, gemeinsam durch alle Hochs und Tiefs einer intensiven und tollen Competition Woche zu gehen, sein Bestes zu geben, und all das verpackt in so einen rundum gelungenen Wettkampf – hätte nicht schöner sein können!!!

Ich war selbst zwar die letzten 2 Wettkampf-Tage erkältet, daher hier nun leider doch kein CWT Tauchgang mehr von mir ( obwohl ich mich sehr drauf gefreut hab) … Aber dennoch reichte es für mich sogar noch für den 10.Platz in der Gesamtwertung – und über unsere 3 Weißen Karten freuen wir uns beide sehr!

Und, das wir hier einfach dabei sein durften, in diesem grandiosen unglaublich schönen „Big Blue“ tauchen konnten!

Moni: Dank gilt den Organisatoren, den Helfern, Safety Divern, und allen Beteiligten, die diesen perfekt organisierten Wettkampf möglich gemacht haben!
Freediving hat gerade in Griechenland einen sehr hohen Stellenwert.
Selbst am Flughafen in Athen wusste man anhand unseres Gepäcks gleich Bescheid, sprach uns an, wünschte uns viel Glück, wildfremde Menschen haben uns am Strand angesprochen, wollten Fotos mit uns machen, und haben uns nach dem Wettkampf gefragt.
Auf der ganzen Insel hing Werbung aus, selbst in Überregionalen Magazinen im Hafen von Piräus wurde der Authentic Big Blue angekündigt, die Menschen hier lieben diesen schönen Sport wirklich , kennen die Veranstaltung und schätzen sie sehr…

Moni und Heinz in Amorgos 2019

Fazit: die Wahrscheinlichkeit, wieder zu kommen, ist sehr groß!
Freitauchen in the Big Blue, so wie es sein sollte…

Photo: Michael Kaziales

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