Nachlese zur AIDA WM im Tieftauchen

27. AIDA Tieftauch Weltmeisterschaft 2021in Limassol, Zypern

von Monika Hopf

Team Deutschland: Anna-Karina Schmitt, Jennifer Wendland, Kathleen Greubel und Arnd Steckenborn

Endlich wieder eine Weltmeisterschaft im Tieftauchen, Deutschland ist eine der 36 Nationen die vom 20.09.-30.09.2021 in Zypern vertreten war. Über 130 Teilnehmer aus aller Welt stürzten sich 10 Tage lang in die Tiefe des Meeres vor Limassol. Jeder Athlet darf in 4 Disziplinen tauchen, CWT, CWTB, CNF, FIM, es gibt für jede Disziplin eine Einzelwertung und alle Tauchgänge der Athleten fließen in die Gesamtwertung ein.

Für Deutschland traten Anna-Karina SchmittKathleen Greubel, Jennifer Wendland und Arnd Steckenborn bei den 27. Weltmeisterschaften im Tieftauchen an. 

AIDA-Deutschland e.V. entsandte seine Athleten* mit großen Hoffnungen und Unterstützung. Erst wenige Wochen zuvor hatte Anna-Karina Schmitt und Arnd Steckenborn Erfolge bei den Deutschen Tiefe-Meisterschaften erzielt (Link), Es ist wunderbar zu sehen wie sich das Freitauchen in Deutschland entwickelt und das immer wieder neue talentierte Freitaucherinnen und Freitaucher die Szene beleben. Kathleen und Anna-Karina habe erst vor Kurzem mit Wettkämpfen angefangen, hier zeigt sich das sich das Freitauchen in Deutschland gut entwickelt und ein großes Potenzial an Nachwuchs vorhanden ist. 

Die Bedingungen in Zypern waren nicht immer optimal. Wetterbedingt wurde ein Tauchtag sogar ganz verschoben. Die Athleten hatten mit Strömung und Wellengang zu kämpfen und nur hohe Konzentration und disziplinierte Vorbereitungen erlaubten den optimalen Tauchgang. Alle deutschen Athleten erzielten persönliche Bestleistungen und zwei Tauchgänge wurden sogar mit Weltmeistertiteln in den Disziplinen CWTB und CNF gekrönt. Fans und Tauchbegeisterte konnten weltweit die tollen und aufregenden Momente im Livestream mitverfolgen.

Die deutschen Taucher beendeten mit herausragenden Leistungen die zehn Tage bei den Weltmeisterschaften im Apnoe Tieftauchen. Zwei Weltmeistertitel und eine Platzierung von Jennifer Wendland, sie ist derzeit AIDA Deutschlands beste Athletin und hält alle fünf Nationalrekorde im Meer und einen Weltrekord. Arnd Steckenborn, der, wie die anderen auch, jede freie Zeit für eine professionelle Vorbereitung nutzte, wurde mit einem tollen Ergebnis in der Gesamtwertung belohnt und das sehr gute Abschneiden von Anna-Karina Schmitt und Kathleen Greubel, welche erst seit diesem Jahr für AIDA-Deutschland e.V starten, waren erfreuliche Highlights bei den 27. AIDA World Championships in Limassol auf Zypern.

Arnd Steckenborn, der als einziger deutscher Athlet alle Disziplinen tauchte errang in der Gesamtwertung Platz 8 bei den Herren. Die Damen, die nicht in allen Disziplinen gestartet sind belegten Platz 3 (Jennifer Wendland); Platz 18 (Kathleen Greubel) und Platz 19 (Anna-Karina Schmitt). Gratulation für diese herausragenden Leistungen des AIDA TEAM Deutschland.

Einzelergebnisse:

Ergebnisse Team Deutschland AIDA Tieftauch WM 2021

Persönliche Eindrücke bei der AIDA WM 2021 von
Anna-Karina Schmitt

Meine Erste WM. Was ein tolles Erlebnis. Ich habe mit jedem Tauchgang etwas dazu gelernt.

Die Gemeinschaft macht einfach Spaß!

Kurz bevor ich nach Zypern kam, habe ich im August 2 Deutsche AIDA Rekorde im See in der Disziplin CWTB aufgestellt, bin zur Schweizer Meisterschaft im Zürichsee, Schweizer Meisterin geworden und habe in der Disziplin CWTB zur Deutschen Meisterschaft den ersten Platz gemacht. Mein tiefster Tauchgang im See führte mich auf 57 Meter und letztes Jahr in Kalamata/Griechenland im Meer auf 60 Meter.

Verglichen mit dem Freitauchen in der Schweiz und in Deutschland ist die Weltmeisterschaft in Zypern ein völlig anderes Erlebnis. Einige der Athleten machen nichts anderes außer Freitauchen und sind richtige Profis, darunter sind einige mehrfache Weltrekordhalterinnen und Weltrekordhalter. Dennoch, oder gerade deswegen kann ich es nur jedem wärmstens ans Herz legen, einmal zu einer Weltmeisterschaft zu gehen. Die Gemeinschaft von internationalen Freitauchern ist wirklich etwas ganz einzigartiges. Großartige Charaktere die nichts lieber tun als sich über ihre Lebensleidenschaft auszutauschen. Genau wie du! Gespräche über z.B. erlebte Tauchgänge, best practises, Tipps zum Equipment, der Vorbereitung vor dem Tauchgang oder dem Tauchgang selbst, entstehen wirklich sinnbildlich an jeder Ecke, im oder außerhalb des Wassers. Und zwar mit den weltweit und aktuell besten Freitaucherinnen und Freitauchern. Was ich persönlich immer ganz besonders schätze ist es auch Freitaucherinnen und Freitaucher zu treffen, die außer dem Wettkampf auch das freie Schnorcheln in der magischen Unterwasserwelt lieben und auf den Schutz der Ozeane wert legen! Und davon gibt es zum Glück einige, die sich z.B. in der Rolle Botschafterinnen und Botschafter von Naturschutzorganisationen wie Sea Shepherd engagieren, oder die sich einfach so für mehr Nachhaltigkeit und Naturschutz einsetzen.

Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Als ich dieses Jahr mit dem Tiefentraining im See anfing, wünschte und hoffte ich, im September zur Weltmeisterschaft 70 Meter zu tauchen. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich mir sicher, dass es mehr war als nur ein Wunsch, der mich tatsächlich dorthin brachte. Alles begann im März 2020, als mein Partner Christopher Friedrich und ich uns überlegten im kommenden Jahr zur AIDA Freediving World Championship zu reisen und teilzunehmen. Die Vorbereitung dafür hat in COVID-Zeiten in Zürich begonnen. Erst ging es darum eine Basis aufzubauen. Wir haben eine schöne Routine, bestehend aus Joggen (manchmal Radfahren oder Wandern), Yoga, Meditation und spezifischen Dehnungen fürs Freitauchen entwickelt und in unseren Alltag integriert. Daneben haben wir mit Hilfe unserer Freitauchkollegen und Freunden viel Wissen aufgebaut. Wir haben uns für diesen Moment entschieden ganz unabhängig zu bleiben und selber herauszufinden, welches Training am besten zu uns passt. Ohne dazu einen persönlichen Trainer zu konsultieren. Wir ziehen aber durchaus Experten auf den verschiedenen Gebieten, wie zum Beispiel zum Druckausgleich Daniel Roettgermann mit Kaluna Freediving, zum allgemeinem Trainingsaufbau Pascal Bauer mit U-Sports, oder für Yoga und Meditation meine Mentorin Michelle Bartolo aus Gozo, zu Rate. Unsere Trainingsroutine hat sich im Laufe der Zeit ständig verbessert und auf unterschiedliche Phasen und Situationen angepasst.

Meine Lieblingsdisziplin ist CWTB

Insgesamt hatte ich nur 3 Trainingstauchgänge vor der Weltmeisterschaft. Das ist nicht viel Zeit um herumzuexperimentieren. Leider hat die Zeit dieses Jahr nicht gereicht, dass ich mich an das Tragen einer Nasenklammer mit oder ohne gefluteter Schwimmbrille gewöhnen konnte. Ich habe mich insgeheim schon gefreut, frei und dynamisch am Seil entlang abzutauchen und ein bisschen mehr an zusätzlicher Luft zum Druckausgleich dabei zu haben. Ich habe aber auch schnell eingesehen, das ist gar nicht so schlimm. Die Trainingszeit im Meer ist für mich eben begrenzt. Und das ist in Ordnung. Ich habe aufgegeben, mich mit anderen zu vergleichen und beschloss, nur mit Bifins anzutreten. Der Disziplin, in der ich am erfahrensten bin und in der ich mich auch am wohlsten fühle. Und zwar mit Maske, wie ich es aus dem Zürichsee, meinem Zuhause gewohnt bin. Die Reisen, das Training vor Ort und die Ausrüstung sind nicht umsonst und ich bin sehr froh einen so intensiven und abenteuerlichen Lebensstil, neben meiner Arbeit und wegen meiner Arbeit, unterhalten zu können. Alles, was für mich zählt, sind die Glücksmomente und wertvollen Erfahrungen Unterwasser zu erleben und einfach auch einmal bei einer Weltmeisterschaft dabei gewesen zu sein.

Fokus ist Gold

Die Entscheidung mich auf eine Disziplin zu fokussieren war eine Befreiung. Ein Fokus, der mich davor bewahrt hatte, vor meinem ersten großen Wettkampf zu viele unterschiedliche Dinge auszuprobieren und Unsicherheiten aufzubauen. Stattdessen fühlte ich mich selbstbewusst und glücklich, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Mir ist besonders in der Zeit auf Zypern aufgefallen, dass die tiefen Tauchgänge bei mir eher mentale Kapazitäten verbrauchen, als physische. Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört und ganz bewusst darauf geachtet genügend Pausentage zwischen den Trainings und vor den Wettkampf Tauchgängen einzuhalten. So dass ich an den beiden Wettkampftagen richtig Lust hatte zum Tieftauchen. Das Resultat: In allen Wettkampf Tauchgängen und Pre-Competition Wettkämpfen ist es mir gelungen nur weiße Karten mitzunehmen.

In der Top-10 Platzierung gelandet!

Dazu ist zu sagen, dass fast jeder Tauchgang den ich gemacht habe (6 von 7) seit ich auf Zypern ins Wasser kam ein persönliche Bestleistung war. Insgesamt waren es inklusive der Trainings Tauchgänge, der Pre-Competition und dem Wettkampf, 7 Tauchgänge die mich in neue Tiefen gebracht haben. Mein glücklichster Tauchgang war ein Trainingstauchgang auf 71 Meter. Danach stand ich singend unter der Dusche und habe eine Freudenträne verloren.

In der Weltmeisterschaft

Beides sicher keine einfachen Tauchgänge, aber im Laserfokus konnte ich sie sehr genießen.

Mein Fazit

Ich habe so unfassbar viel gelernt! Deswegen hat es sich schon gelohnt zur Weltmeisterschaft zu gehen. Dazu hat vor allem Beigetragen: Die Selbstreflexion der eigenen Tauchgänge, der Austausch mit Top-Athleten, und die nahezu immer perfekten Bedingungen im Meer. Natürlich auch das AIDA Organisationsteam mit den besten Judges und Safeties der Welt – DANKESCHÖN für eure Arbeit! Ein grosser Dank geht ebenfalls an AIDA Deutschland für eure Unterstützung.

Ich freue mich schon sehr auf das Wintertraining und die kommende Saison. Mehr als zuvor kenne ich nun meine Stärken und Schwächen. Aber auch mental bin ich mir in der Tiefe wieder ein ganzes Stück näher gekommen. Lieben Dank auch an Cleanhub, die Zusammenarbeit mit dem Start-Up aus Berlin hat für eine kleine extra Motivation gesorgt. Mit jedem Meter den ich getaucht bin wurde verhindert, dass 1 Kg an Plastik ins Meer gelangt. Da kam einiges zusammen, rund 3000 Kg!

Für einen Plausch zum Freitauchen oder eine Yoga- und Meditations Session mit dem Fokus Freitauchen stehe ich dir gerne bei Interesse zur Verfügung. Du kannst mich auf IG oder FB finden, oder mir einfach eine Email schreiben an: annakarinaschmitt@gmail.com.

Bis bald im Wasser!

Liebe Grüße vom Zürichsee

Anna-Karina

Eindrücke von Kathleen Greubel

Die Tieftauchweltmeisterschaft von AIDA fand dieses Jahr von 20.-30. September in Limassol in Zypern statt. Limassol als südlichste Stadt Europas bietet fast ganzjährig gute bis sehr gute Tauchbedingungen und kann auf viele Jahre als Gastgeber von internationalen Freediving Wettkämpfen zurückblicken. Neu war in diesem Jahr, dass die Weltmeisterschaft vom AIDA Dachverband selbst organisiert und durchgeführt wurde und nicht wie sonst üblich vom lokalen Tauchcenter.

Für das deutsche Team waren in diesem Jahr Jennifer Wendland, Anna-Karina Schmitt, Arnd Steckenborn und ich angereist. Während Jennifer als international erfolgreiche Athletin und Weltrekordhalterin schon einige Erfahrung mitbrachte und auch Arnd bereits ein routinierter Taucher mit jahrelanger Erfahrung ist, war es für Anna und mich der erste große Wettkampf und die erste Weltmeisterschaft. Insgesamt starteten 117 Athleten (62 Frauen und 55 Männer) aus 34 verschiedenen Ländern.

AIDA Deutschland WM Team

Für jede der vier Disziplinen (CWTB, FIM, CNF und CWT) waren je zwei Wettkampftage geplant, einer für Frauen und einer für Männer. Alle Tauchgänge wurden dank Diveye live übertragen und die Videoaufzeichnungen sind auf dem YouTube Kanal von AIDA Freediving zu finden: AIDA Freediving – YouTube

Nachdem die ersten beiden Tage zunächst offizielle Trainings stattfanden bei denen alle Athleten die Chance hatten, sich mit dem Setup, den Abläufen und den Bedingungen vertraut zu machen startete die Weltmeisterschaft offiziell mit dem Wettkampftag der Disziplin Constant Weight Bifins der Frauen. Für unser Team starteten Jennifer, Anna und ich. Wir alle konnten uns eine white card sichern (Anna 72m und für mich 60m) und Jennifer räumte mit einer Spitzenleistung von 92m sogar direkt eine Goldmedaille ab. Auch Arnd gelang eine erfolgreiche Wettkampferöffnung mit einem erfolgreichen Tauchgang in 70m am folgenden Tag. Was für ein Start!

Als nächstes folgte die Disziplin Free Immersion. Leider hatten sich die Bedingungen verschlechtert und das Team hatte mit starken Strömungen zu kämpfen. Es starteten in Free Immersion Jennifer, Kathleen und Arnd. Für die Frauen lief es in dieser Disziplin nicht so glücklich, ich selbst hatte einige Probleme beim Start und verfing mich unglücklich in meiner Schwimmnudel und für Jennifer reichte es aufgrund der starken Strömung an der Oberfläche leider nicht mehr ganz für einen erfolgreichen Abschluss des Tauchgangs. Arnd jedoch ließ sich nicht aufhalten und konnte trotz der schwierigen Bedingungen mit einem straken Tauchgang auf 72m eine white card abholen.

Da die Strömungen anhielten und die Bedingungen weiterhin schwierig waren wurde der Wettkampf während der No fins Tauchgänge der Frauen unterbrochen und auf den letzten Tag verschoben. Arnd startete wie geplant und sicherte sich mit einer souveränen Leistung von 51m einen weitere white card. Jennifer und ich starteten in CNF erst am letzten Tag, was sich als gut Entscheidung erwies denn beide konnten sich ebenfalls eine white card abholen (für mich 40m) und Jennifer gewann mit 58m sogar die Goldmedaille in dieser Disziplin. Herzlichen Glückwunsch Jenni!

Die letzte Disziplin des Wettkampfes war Constant Weight. In dieser Disziplin startete das gesamte deutsche Team. Jennifer gewann mit 91m eine weitere Medaille, Bronze diesmal, und komplettierte damit ihre Sammlung. Anna zeigte eine starke Leistung mit Bi-fins und stellte mit 73m eine persönliche Bestleistung auf. Arnd und ich hatten an diesen Tagen mit Druckausgeichsproblemen zu kämpfen und mussten jeweils ganz kurz vor ihrem Ziel umkehren, was zu yellow cards für uns beide führte.

Eröffnungszeremonie

Die Weltmeisterschaft endete mit der Medaillenzeremonie und einer großen Feier. Jennifer wurde für ihre großartigen Leistungen mit der Bronzemedaille der Gesamtwertung der Frauen ausgezeichnet und Arnd sicherte sich den 8. Platz in der Gesamtwertung der Herren. Auch Anna und ich sind stolz, bei unserer ersten Weltmeisterschaft gute Leistungen zeigen zu können und konnten viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Die Weltmeisterschaft war für das deutsche Team insgesamt ein Erfolg und wir freuen uns schon auf die nächste Saison und weitere gemeinsame Wettkämpfe. Glückwunsch an das gesamte Team!

Kathleen Greubel
Bild: Daan Verhoeven

Für mich persönlich war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ein unvergessliches Erlebnis und eine großartige Chance, als Taucherin zu wachsen. Die Bedingungen waren nicht immer einfach und die Umgebung eines so großen Wettkampfes mit so vielen Athleten kann sehr intensiv sein, sodass ich mehr mir Unsicherheiten und Nervosität zu kämpfen hatte als erwartet. Dennoch bin ich sehr glücklich, mehrere sehr schöne Tauchgänge in dieser Weltmeisterschaft erleben zu können und bei so einem wunderbaren Event dabei gewesen zu sein. Besonders als Neuling in der Welt des Wettkampfs eine Erfahrung von ganz besonderem Wert!

Herzlichen Dank!